»Möchtest du dem Baby einen Namen geben?« Richterin will vergewaltigte Zehnjährige von Abtreibung abbringen

Der Fall empört Brasilien: Ein Mädchen wird vergewaltigt und schwanger, ein Gericht drängt auf die Geburt. Dabei versucht die Richterin das Kind schamlos zu manipulieren.
Demonstration am Frauentag in Rio de Janeiro

Demonstration am Frauentag in Rio de Janeiro

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Buda Mendes / Getty Images

Das Video einer Gerichtsverhandlung hat Brasilien in Aufruhr versetzt. Der von »The Intercept Brasil« veröffentlichte Clip  zeigt das zehnjährige Opfer einer Vergewaltigung, das von einer Richterin befragt wird. Sie fragt das Kind: »Möchtest du dem Baby einen Namen geben?« Und: »Kannst du noch ein wenig länger schwanger bleiben?« Darüber berichtet  die »Washington Post«.

Der Staatsanwalt sekundiert der Richterin und fragt das Kind, ob es sich vorstellen könne, das Baby adoptieren zu lassen, anstatt es qualvoll sterben zu lassen. Schließlich urteilt die Richterin, das Kind müsse aus seiner Familie entfernt und in einer Institution untergebracht werden, um den Fötus zu schützen.

Der Fall löste emotionale Diskussionen in Brasilien aus. 300.000 Frauen unterzeichneten eine Petition, die die Amtsenthebung der Richterin forderte. Aber Staatspräsident Bolsonaro schrieb auf Twitter: »Es ist unzulässig, diesem wehrlosen Wesen das Leben zu nehmen!«

Das Abtreibungsrecht in Brasilien ist sehr strikt. Schwangerschaftsabbrüche sind nur erlaubt, wenn eine Vergewaltigung oder ein Fall von Inzest vorliegt, sowie bei starken Deformierungen des Fötus. Menschen, die sich für das Recht auf Abtreibung einsetzen, berichten aber, dass Justiz und Krankenhäuser entgegen der gesetzlichen Vorgaben immer wieder versuchen, einen Schwangerschaftsabbruch zu verhindern.

Offiziellen Zahlen zufolge werden jedes Jahr 17.000 Mädchen im Alter zwischen 10 und 14 Jahren schwanger. Das zehnjährige Kind aus dem Video wurde 40 Tage lang aus seiner Familie entfernt. Schließlich wurde die Abtreibung vorgenommen, nachdem die brasilianische Bundesstaatsanwaltschaft das zuständige Krankenhaus dazu aufgefordert hatte.

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