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10. Juli 2013, 16:09 Uhr

Vorfall in Bremen

Polizisten sollen Disco-Besucher brutal behandelt haben

Die Bremer Polizei hat selbst Anzeige erstattet - weil der Verdacht besteht, dass Beamte im Dienst eine Körperverletzung begangen haben. Ihnen wird vorgeworfen, in einer Disco brutal gegen einen 28-jährigen Mann vorgegangen zu sein.

Bremen - Bremer Polizisten stehen im Fokus interner Ermittlungen: Die Beamten sollen einen 28-Jährigen in einer Disco äußerst gewaltsam behandelt haben. Der Vorfall wurde von einer Überwachungskamera aufgezeichnet.

Die Polizei selbst erstattete Anzeige. "Es geht um den Verdacht der Körperverletzung im Amt", sagte Polizeisprecher Dirk Siemering. Zu Einzelheiten des Einsatzes gab die Polizei unter Hinweis auf das laufende Verfahren keine weiteren Auskünfte.

Die Beamten waren eingeschritten, weil der Mann vorher als aggressiv aufgefallen sein soll. Auf den Videobildern ist zu sehen, wie mindestens sieben Beamte den sich wehrenden Disco-Besucher im Eingangsbereich zu Boden ringen und schließlich abführen. Ein Polizist tritt heftig zu und prügelt mehrfach mit einem Schlagstock auf den 28-Jährigen ein.

Die "Bild"-Zeitung berichtete, der junge Mann sei anschließend mit Prellungen am Kopf, im Gesicht, an den Rippen und am Rücken im Krankenhaus behandelt worden. Der Vorfall ereignete sich bereits am 23. Juni. Die Polizei erfuhr nach eigenen Angaben erst aufgrund der Berichterstattung von dem Video.

Bremens Polizeipräsident Lutz Müller sagte, er erwarte eine lückenlose Aufklärung des Vorfalls. Die Polizei sei leider häufig gezwungen, Zwangsmaßnahmen anzuwenden. Trotzdem müsse dies verhältnismäßig und angemessen erfolgen. "Wenn dies nicht geschieht, machen sich die agierenden Beamten strafbar und müssen sich den Konsequenzen stellen." Auch die Dienststelle für interne Ermittlungen beim Innensenator wurde eingeschaltet.

Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, forderte, keine Vorverurteilung vorzunehmen. Die Aufnahmen ließen nur ein paar Augenblicke der Gesamtsituation erkennen. "Niemand weiß, wie die Personen sich vor der Aufnahme verhalten haben."

wit/dpa

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