Netflix-Doku "Making a Murderer" US-Gericht kippt Urteil gegen Brendan Dassey

Die Doku-Serie "Making a Murderer" machte den Fall Brendan Dassey weltweit bekannt: Als Helfer seines Onkels wurde der Teenager wegen Mordes verurteilt. Nach zehn Jahren Haft könnte er bald freikommen.

Brendan Dassey 2007 vor Gericht
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Brendan Dassey 2007 vor Gericht


Spoiler-Hinweis: Dieser Text geht auf Eckdaten und den groben Rahmen der Netflix-Dokuserie "Making a Murderer" ein.


Einer der beiden Verurteilten aus der Dokuserie "Making a Murderer" könnte bald aus dem Gefängnis kommen. Ein Richter in Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin entschied am Freitag: Brendan Dassey, 26, muss innerhalb von 90 Tagen freigelassen werden - es sei denn, die Staatsanwaltschaft klagt ihn neu an.

Dassey war 2007 als Helfer seines Onkels Steven Avery wegen des Mordes an einer Fotografin zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er hatte die Beteiligung an der Tat in Polizeiverhörgen gestanden, später vor Gericht aber widerrufen.

Der Richter kritisierte die Ermittlungen gegen den damals 16-Jährigen nun scharf: Ihm seien falsche Versprechungen gemacht worden, die Befragung ohne Eltern oder Anwälte sei unzulässig gewesen. Besonders harsch fiel das Urteil über einen Verteidiger Dasseys aus, der den minderbemittelten Teenager durch einen Privatermittler zu einem Geständnis bewegt hatte. Das Fehlverhalten des Anwalts gegenüber seinem jungen Mandanten sei "durch nichts zu rechtfertigen", sagte der Richter. Dasseys Geständnis sei unfreiwillig gewesen.

Die Fälle Avery und Dassey sind Thema der zehnteiligen Netflix-Doku "Making a Murderer", die seit Dezember international großes Aufsehen erregt. Die Erzählung der Doku endet 2015, die juristische Aufarbeitung auch im Fall Avery dauert an.

Die Dokumentation räumt der Verteidigung viel Platz ein. Die ermittelnden Behörden im Manitowoc County kommen äußerst schlecht weg, sie werfen den Filmemacherinnen Laura Ricciardi und Moira Demos Parteilichkeit vor. Im Juli gab Netflix bekannt, dass eine zweite Staffel der Serie in Arbeit ist.

hut/dpa/AFP/AP



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