Großbritannien Messerattacke auf Lehrer - 14-Jähriger muss in Haft

Ein Schüler stach in England seinen schwarzen Lehrer nieder. Das Motiv: Rassismus. Am Ende des Prozesses sprach der Richter deutliche Worte und verhängte eine langjährige Haftstrafe.


Ein 14 Jahre alter Schüler ist im britischen Bradford zu elf Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er seinem Lehrer ein Messer in den Bauch rammte. Der Angriff geschah im Klassenzimmer. Der 50-jährige Pädagoge überlebte nur mit Glück.

Der Schüler handelte offenbar aus rassistischen Motiven. Er nahm das Urteil demonstrativ gelangweilt zur Kenntnis: Er gähnte und verschränkte die Arme vor dem Körper. Der Teenager hatte sein Opfer als "Bastard" und "Neger" beschimpft. "Sie sind ein gefährlicher junger Krimineller", sagte Richter Jonathan Durham Hall bei der Urteilsverkündigung.

Der Täter prahlt bei Facebook

Der Schüler hatte 20 Minuten nach der Tat bei Facebook damit geprahlt. Der Lehrer sei frech geworden, "da habe ich ihm die Klinge direkt in den Bauch gepflanzt". 69 Facebook-Nutzer kreuzten unter der Mitteilung "Gefällt mir" an. Der Junge muss nun für mindestens sechs Jahre in Haft, danach kann er erstmals Freilassung auf Bewährung beantragen.

Der Lehrer hat dem 14-Jährigen offenbar verziehen. Er sagte vor dem Gerichtsgebäude, der christliche Glaube habe ihm dabei geholfen. Er hat jedoch ein schweres Trauma erlitten. Es ist unklar, ob er je wieder seinem Beruf nachgehen kann.

sms/dpa/AFP



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tinosaurus 10.08.2015
1. schlimm
aber sicher weiter verbreitet als gedacht. Einen solchen Täter sollte man erst dann entlassen, wenn höchstwahrscheinlich keine Gefahr mehr von ihm aus geht. In Deutschland würde der Junge milder davon kommen. Die körperliche Unversehrtheit und ein Menschenleben zählen hier nicht viel. Egal ob rassistisch geprägt oder nicht.
mcvitus 10.08.2015
2. Die 69 Facebook-Nutzer
gehören ebenfalls vor Gericht. In Deutschland wäre der Straftatbestand der Volksverhetzung nach Paragraph 130 StBG erfüllt.
larsmach 10.08.2015
3. Hass -
Hass scheint Konjunktur zu haben. Wer Online-Foren mancher deutscher Nachrichten-Magazine durchstöbert, muss sich wundern über offen geäußerten Hass gegen alles andere. Die häufig in phantasievoller Rechtschreibung verfassten Hass-Beiträge erfreuen sich großer Beliebtheit, wie "gefällt mir"-Zähler offenbaren. Meldet sich ein Mensch mit normalem menschlichen Intellekt mäßigend zu Wort, so sehe ich das genaue Gegenteil: Dutzende negative Bewertungen. Ja, ja: Hass "gefällt". Doch das ist nicht neu. Das war schon in den 1930er Jahren so. Und jener Hass war schon derselbe, denn Hass ist universell. Hass kommt von innen: Er steckt in den Menschen drin, in manchen nur sehr viel mehr als in anderen. Und jene paar Zeitgenossen begnügen sich nicht damit, sich von ihrem Hass zerfressen zu lassen - nein: Sie müssen auch noch Gebäude in Brand stecken oder, wie im beschriebenen Fall, Menschen mit einem Messer schwer verletzen.
Amerikanski1234 10.08.2015
4.
schon witzig, sobald der Täter weiß und das Opfer schwarz ist, spielt Pressekodex Punkt 12.1 keine Rolle mehr. In allen anderen Fällen war einfach nur dummer Zufall oder man unterdrückt die Berichterstattung komplett. Vor 5 Tagen wurde z.B. ein Deutscher in Duisburg einfach so (gar nicht rassistisch bedingt) von einer Gruppe von rund 15 Libanesen durch eine Scheibe eines Bahnhäuschens getreten. Der Herr wollte sich einfach nur auf dem dort ausgehängten Plan orientieren. Man stelle sich mal vor, der Täter wäre weiß und das Opfer schwarz gewesen, Spon hätte berichtet...
wolf15 10.08.2015
5. Rehabiltieren
Der Junge ist 14. Wenn er denn mit 20 aus dem Gefängnis kommt wird er sich auch nicht mehr ändern. Ich bezweifle stark das dieser 14 Jährige sich selbstständig ein rassistisch geprägtes Weltbild zügelt hat. Das britische Rechtssystem geht viel zu streng mit Delikten um, viel zu viel Wert wird hier auf den Bestrafungsgedanken gelegt. Menschenrechte werden gebrochen und am ende hilft es auch keinen, wenn die menschen ein paar Jahre später unverändert wieder auf die Straße gesetzt werden, dann aber noch schlechter dastehen (Vorstrafe und ohne Schulabschluss)
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