Ölmanager in Brüssel erschossen Rätsel um Mockford-Mord

Nach dem Mord an einem Mitarbeiter des Ölkonzerns ExxonMobil in Brüssel reißen Spekulationen nicht ab, er sei Opfer eines Attentats geworden. Die Polizei hat ihr Schweigen elf Tage nach der Tat gebrochen - eine heiße Spur scheint noch zu fehlen.

REUTERS/ Courtesy of Steenpoel golf club

Brüssel - Am 14. Oktober, es ist ein Sonntag, besuchen Nicholas und Mary Mockford das italienische Restaurant Da Marcello in Neder-over-Heembeek, einem Stadtbezirk im Norden von Brüssel. Sie feiern wohl ihren Hochzeitstag, Mary ist seine zweite Frau, vor 15 Jahren trauten sie sich. Es ist kurz nach zehn Uhr abends, als sie auf die Straße treten. Kurz darauf feuern Unbekannte vier Schüsse auf Nicholas Mockford, ein Anwohner findet ihn in der Nähe eines Autos, versucht ihn wiederzubeleben, vergeblich. Mary Mockford liegt um Hilfe schreiend auf dem Bürgersteig, das Gesicht blutig geschlagen.

Warum musste Nicholas Mockford sterben? Die Frage treibt die belgischen Ermittler um, auch im Geburtsland Mockfords nehmen die Spekulationen zu. Britische Medien zitieren Angehörige und Freunde des 60-Jährigen, die an einen Raubüberfall nicht glauben wollen, die überzeugt sind: Mockford wurde Opfer eines Attentäters.

Mockford arbeitete für den Ölgiganten ExxonMobil. Er soll sich zuletzt um das Marketing für eine Abteilung gekümmert haben, die sich mit der Entwicklung von umweltfreundlicheren Methoden zur Herstellung von Kunststoffen beschäftigt.

"Autodiebe exekutieren nicht jemanden per Kopfschuss"

Angehörige sagten, sie wüssten selbst kaum etwas über die Arbeit von Nicholas Mockford, er habe nie viel erzählen wollen von seinem Job. ExxonMobil teilte mit, man habe keine Hinweise, dass der Mord mit der Arbeit zu tun habe. Offenbar bezog sich das Unternehmen dabei auf Angaben, die es von der Polizei hat.

Feinde hat ExxonMobil genug, warum also nicht auch Mockford? So denken offenbar einige im Umfeld des Paares und spekulieren, Mockford sei Opfer von Öko-Terroristen geworden, die mit den Geschäften von ExxonMobil in Nigeria, dem Tschad und Indonesien nicht einverstanden seien. "Autodiebe exekutieren nicht jemanden per Kopfschuss, lassen den Wagen da und eine Augenzeugin am Leben", sagte ein Freund des Getöteten der "Times".

Laut britischen Medien geht die Polizei tatsächlich auch Hinweisen nach, wonach Mockford in Industriespionage verwickelt gewesen sein könnte. Doch die Ermittler halten es wohl für mindestens ebenso plausibel, dass die Angreifer auf die Handtasche von Mary Mockford oder das Auto des Paares aus waren und ihnen die Situation entglitt. Das Paar hatte seinen Allrad-Lexus in der Nähe des Restaurants geparkt.

Ermittler gingen spät an die Öffentlichkeit

Mary Mockford war nach Angaben der Polizei von einem Angreifer mehrmals ins Gesicht geschlagen worden, er versuchte demnach, ihr die Handtasche zu entreißen. Erst danach habe ein zweiter Mann auf Nicholas Mockford geschlossen.

Verwunderung haben die Ermittler jedoch auch selbst ausgelöst: Sie gingen mit ihren Informationen erst am Donnerstag an die Öffentlichkeit, elf Tage nach der Tat. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten sich entschieden, Stillschweigen zu bewahren, ExxonMobil wurde gebeten, keine Details zur Arbeit von Mockford öffentlich zu machen.

Die Angaben von verschiedenen Augenzeugen in britischen Zeitungen gleichen sich: Es soll sich um zwei Täter gehandelt haben, sie sollen Motorradhelme getragen haben und mit einem Motorroller oder einem Motorrad geflüchtet sein. Das deckt sich mit den Angaben der Polizei: Demnach flüchteten die Täter erst zu Fuß, dann wurden sie auf einem Motorrad gesehen. Mary Mockford habe kurz nach der Tat von einem weißen Van gesprochen, zudem habe sie gesagt, dass einer der Angreifer geschrien hätte: "Geld, Geld, Auto, Auto!"

Ein Augenzeuge sagte, er habe selbst einen weißen Van in der Straße gesehen. Die Polizei sucht nun nach dem Fahrer.

bim



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