Georgia Tödliche Schüsse auf schwarzen US-Amerikaner - Justizministerium soll Fall untersuchen

Der Fall hatte in den USA für Empörung gesorgt: Nach den Schüssen auf den unbewaffneten Ahmaud Arbery soll das Justizministerium in die Ermittlungen einsteigen.
Ein Anwalt der Familie steht vor einem Graffiti von Ahmaud Arbery

Ein Anwalt der Familie steht vor einem Graffiti von Ahmaud Arbery

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Tony Gutierrez/ AP

Warum liefen die Ermittlungen im Fall Ahmaud Arbery so schleppend? Mehr als zwei Monate nach den tödlichen Schüssen auf den schwarzen US-Amerikaner hat die Staatsanwaltschaft des Bundesstaats Georgia bei der US-Regierung eine Untersuchung zu möglichen Verfehlungen beim Umgang der Justizbehörden mit dem Fall beantragt.

Der Generalstaatsanwalt von Georgia, Chris Carr, teilte am Sonntag mit, seine Behörde wolle eine "vollständige und transparente Prüfung" dazu, wie die zuständigen örtlichen Ermittlungsbehörden von Anfang an vorgegangen seien.

Der 25-jährige Arbery war in der Stadt Brunswick beim Joggen erschossen worden. Die Tat ereignete sich bereits am 23. Februar, es wurde aber niemand festgenommen. Die Ermittlungen kamen erst richtig in Gang, als der Fall vor wenigen Tagen durch ein verstörendes Handyvideo breite Aufmerksamkeit erlangte.

Zwei weiße Tatverdächtige, der 64 Jahre alte Gregory McMichael, ein früherer Polizist, und sein 34 Jahre alter Sohn Travis waren am Donnerstag festgenommen worden. Ihnen werden schwere Körperverletzung und Mord zur Last gelegt. Den Ermittlern zufolge hatten die Tatverdächtigen Arbery mit zwei Schusswaffen konfrontiert, als dieser in dem Viertel unterwegs war.

"Die Familie, die Gemeinde und der Staat Georgia verdienen Antworten"

Chris Carr, Generalstaatsanwalt von Georgia

Carr richtete seinen Antrag zur Untersuchung des Umgangs der örtlichen Behörden mit dem Fall an Justizminister Bill Barr. Laut Carr sollen in der Untersuchung unter anderem "die Kommunikation und Diskussionen" zwischen den mit dem Fall befassten Bezirksstaatsanwälten unter die Lupe genommen werden. "Die Familie, die Gemeinde und der Staat Georgia verdienen Antworten, und wir werden mit anderen Strafverfolgungsbehörden auf Staats- und Bundesebene zusammenarbeiten, um diese Antworten zu finden", sagte Carr.

Der erste mit dem Fall befasste Staatsanwalt hatte das Vorgehen der McMichaels noch als legitim eingestuft und eine Festnahme nicht für nötig gehalten. In einem von US-Medien veröffentlichten Schreiben argumentiert George Barnhill, die beiden Männer hätten einen "Verdächtigen" stoppen und bis zum Eintreffen der Polizei festhalten wollen. Dies sei in Georgia "absolut legal". Auch das offene Tragen von Waffen sei legal.

Gregory McMichael hatte der Polizei zufolge angegeben, Arbery für einen Einbrecher gehalten zu haben. Er habe deswegen zu seinem Revolver gegriffen und zusammen mit seinem Sohn die Verfolgung aufgenommen. Schließlich sei es zu einem Kampf zwischen Travis McMichael und Arbery um das Gewehr gekommen. Daraufhin habe der 34-Jährige zweimal geschossen.

Arbery wurde in US-Medien als Athlet beschrieben, der regelmäßig trainierte. Das vom Anwalt seiner Familie, Lee Merritt, auf Twitter verbreitete Video zeigt, wie ein Jogger auf einen stehenden Pick-up zuläuft. Als dieser um das Fahrzeug herumläuft, wird er in ein Handgemenge mit einem Mann mit einem Gewehr verwickelt. Ein weiterer Mann auf der Ladefläche scheint zugleich eine Handfeuerwaffe in Anschlag zu bringen. Dann sind Schüsse zu hören und Arbery fällt zu Boden. "Travis McMichael hat geschossen und Arbery getötet", erklärten die Ermittlungsbehörden in der vergangenen Woche.

sen/dpa/AFP/AP
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