Schiffsunglück auf der Donau Kapitän wehrt sich gegen angebliche Vorverurteilung

21 Menschen werden nach einem Schiffsunglück in Budapest noch vermisst. Der Kapitän eines Kreuzfahrtschiffs wurde festgenommen. Er bestreitet jedoch gegen Regeln verstoßen zu haben.

Einsatzkräfte nach dem Schiffsunglück in Budapest: 21 Menschen werden noch vermisst.
Antonio Bronic/ REUTERS

Einsatzkräfte nach dem Schiffsunglück in Budapest: 21 Menschen werden noch vermisst.


Nach einem schweren Unglück mit zwei Schiffen in Budapest hat der Kapitän des Flusskreuzfahrtschiffs "Viking Sigyn" angegeben, er habe den Zusammenstoß mit der kleineren "Hableany" nicht verhindern können. Das teilte der Anwalt des festgenommenen Ukrainers mit.

Sein Mandant bestreite gegen Regeln verstoßen oder ein Verbrechen begangen zu haben. Der 64-jährige Kapitän lenke seit 44 Jahren unfallfrei Schiffe auf der Donau und sei sehr erfahren, sagte der Rechtsanwalt. Es sei verfrüht, seinen Mandanten für den Unfall verantwortlich zu machen, bevor Expertengutachten vorlägen. Bislang sei es "nicht mehr als eine Theorie". Ein Haftbefehl sei beantragt, aber noch nicht erteilt worden.

Videoaufnahmen des Unglücks ließen darauf schließen, dass nicht das kleine Schiff auf die "Viking Sigyn" zugesteuert sei, sagte der Vorsitzende des Verbands der Binnenschifffahrt, Attila Bencsik, im ungarischen Staatsfernsehen. Vielmehr habe wohl das Flusskreuzfahrtschiff die kleinere "Hableany" zwischen den Pfeilern der Margaretenbrücke, wo die Strömung besonders stark sei, in ihren Sog gezogen.

Video: Kollision auf der Donau

Nach dem Zusammenstoß am Mittwochabend mit dem Kreuzfahrtschiff sank die "Hableany" binnen Sekunden. Bei dem Unglück im Zentrum der Metropole wurden sieben Touristen gerettet, einer von ihnen ist schwer verletzt. Mindestens sieben Menschen kamen ums Leben, Helfer suchen weiterhin nach 21 Vermissten.

Angehörige der aus Südkorea stammenden Todesopfer und Vermissten reisten nach Ungarn, wie südkoreanische TV-Sender berichteten. Rettungskräfte des ostasiatischen Landes, darunter Spezialtaucher, sollten die Suche in der Donau unterstützen. Österreichische Taucher sind dort bereits im Einsatz.

Da es sich bei den meisten Opfern um südkoreanische Touristen handelte, reiste Außenministerin Kang Kyung Wha aus Seoul an und besichtigte mit ihrem ungarischen Kollegen Peter Szijjarto den Unglücksort. Szijjarto sagte, man arbeite auch mit den serbischen Behörden zusammen. Er deutete an, dass die Vermissten flussabwärts bis nach Serbien treiben könnten.

"Die Bergung kann noch Tage dauern"

Bereits kurz nach dem Unfall war eine Leiche etwa zehn Kilometer flussabwärts vom Unglücksort gefunden worden. Szijjarto sagte, die Strömung sei riesig, der Wasserstand steige ständig, die Sichtverhältnisse seien sehr schlecht. Ziel sei es, das Schiffswrack so schnell wie möglich an die Oberfläche zu bringen, um eventuell darin befindliche Leichen bergen zu können.

Hochwasser und starke Strömungen machen es aktuell jedoch unmöglich, das Wrack zu erreichen, hieß es von den Behörden. "Die Bergung des Wracks kann noch Tage, ja sogar eine Woche dauern", zitierte die staatliche Nachrichtenagentur MTI den Geschäftsführer einer an den Arbeiten beteiligten Spezialfirma.

Die Donau fließt mitten durch Budapest und trennt die beiden Stadthälften Buda und Pest. Ausflugsfahrten mit Schiffen sind bei Touristen beliebt, weil sich dabei schöne Ausblicke auf Sehenswürdigkeiten wie das Parlamentsgebäude bieten - vor allem in den Stunden nach Sonnenuntergang. In letzter Zeit führte dies abends zu erhöhtem Verkehrsaufkommen auf der Donau. Einige Experten sprachen von einer erwartbaren Katastrophe.

bbr/dpa/Reuters



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