Verdacht auf Volksverhetzung Rechte Nachwuchskommissare beim Bundeskriminalamt

Einer nannte sich "H1tler", ein anderer "Holocaust=fake": Nach Informationen des SPIEGEL sind beim Bundeskriminalamt Nachwuchspolizisten mit rechtsextremen Einträgen aufgefallen - einer von ihnen ist noch unbekannt.
Foto: Fredrik von Erichsen/ DPA

Beim Bundeskriminalamt (BKA) sind drei Kommissarsanwärter mit rechtsradikalen Entgleisungen aufgefallen, wie eine Sprecherin dem SPIEGEL bestätigte.

Gegen einen Anwärter laufe ein Entlassungsverfahren, er habe Hausverbot. Außerdem habe man gegen ihn Strafanzeige erstattet wegen des Verdachts auf Volksverhetzung. Der Nachwuchspolizist habe sich im Juli bei einer computergestützten Lehrübung den Namen "Holocaust=fake" gegeben. Ein zweiter Anwärter, der sich den Namen "H1tler" gab, sei gemaßregelt worden. Mit Blick auf seine "glaubhafte Entschuldigung" sehe man von einer Entlassung ab.

Einen weiteren Anwärter, der an der Übung als "NateHigger" teilnahm, habe man nicht identifizieren können. "Im BKA ist kein Platz für rechtes oder menschenverachtendes Gedankengut", so die Sprecherin.

In jüngerer Vergangenheit hatte es mehrere vergleichbare Vorfälle gegeben, die deutschlandweit Aufsehen erregten. Die Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz etwa, die im NSU-Prozess Angehörige von Opfern vertrat, erhielt Drohfaxe, die mit "NSU 2.0" unterschrieben waren. Eine Spur führte zum 1. Polizeirevier in Frankfurt. Von einem der Dienstrechner war kurz zuvor die Adresse der Strafverteidigerin abgefragt worden, die Ermittlungen laufen.

Fragwürdige Aufnäher

Ein Bundespolizist fiel bei einem Rechtsrockkonzert in Sachsen mit fragwürdigen Aufnähern auf, die auch in der rechten Szene getragen werden. Jüngst wurde bekannt, dass Polizeianwärter aus Mühlheim per WhatsApp rassistische Botschaften ausgetauscht haben sollen.

Die Fälle warfen die Frage auf, wie verbreitet rechtes Gedankengut bei den Sicherheitsbehörden ist (lesen Sie hier eine Analyse). Der Inspekteur der Polizei in Nordrhein-Westfalen, Bernd Heinen, sagte kürzlich im SPIEGEL-Interview, rechtsextreme Kollegen seien Einzelfälle. Der Extremismusforscher Christoph Kopke sah dagegen eine "problematische Kultur in der Polizei". Man müsse von einem "erheblichen Dunkelfeld" ausgehen".

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