Bundesstaat New York Viele Tote bei Geiselnahme in Zentrum für Einwanderer

Bluttat im US-Bundesstaat New York: Ein Mann hat in einem Sozialzentrum in der Kleinstadt Binghamton um sich geschossen und Dutzende Geiseln genommen. Offiziellen Angaben zufolge wurden mindestens 12 Menschen getötet - unter ihnen soll auch der Schütze sein.


New York - Geiseldrama in einer Hilfseinrichtung für Einwanderer: Ein 42-Jähriger hat in einem Sozialzentrum im US-Bundesstaat New York um sich geschossen und Dutzende Geiseln genommen. Nach Angaben des New Yorker Gouverneurs David Paterson wurden zwölf oder 13 Menschen getötet. Auch der Schütze wurde nach Polizeiangaben tot in dem Gebäude aufgefunden. Der Fernsehsender ABC meldet unter Berufung auf die Polizei, der Mann habe sich selbst erschossen.

Medienberichten zufolge wurden mindestens sechs Menschen durch Schüsse verletzt. Rettungskräfte brachten sie in Krankenhäuser, einige von ihnen sind laut einer Kliniksprecherin in kritischem Zustand.

Der Täter, der nach Angaben des Bürgermeisters von Binghamton, Matthew Ryan, mit einer Art Sturmgewehr bewaffnet war, stürmte den Angaben zufolge gegen 10.15 Uhr Ortszeit durch den Vordereingang in das Gebäude, schoss um sich und nahm vorübergehend bis zu 41 Menschen als Geiseln. Den Hinterausgang hatte er zuvor mit seinem Wagen blockiert. Mehrere Menschen versuchten, sich in Schränken zu verstecken, hieß es.

Auch Stunden nach der Tat war die Situation unübersichtlich

"Die Situation ist schrecklich", sagte Gouverneur Paterson. "Wir haben bislang noch keine gesicherten Erkenntnisse darüber, was genau geschehen ist. Alles, was wir bislang wissen, ist, dass es Tote gegeben hat."

Noch Stunden nach der Tat durchkämmten Einsatzkräfte der Polizei das Gebäude. Die Bundespolizei FBI entsandte Spezialisten zum Tatort, Scharfschützen hatten das Gebäude umstellt. Eine nahe gelegene Schule wurde geschlossen und angrenzende Wohnhäuser wurden geräumt.

Ein Reporter des Senders WNBF sagte CNN, der Täter sei als Mann asiatischer Abstammung beschrieben worden. Über Stunden war die Lage unübersichtlich. Es hieß lediglich, die Behörden hätten einen vietnamesischen Übersetzer an den Ort des Geschehens gerufen - vermutlich um Verhandlungen mit dem Geiselnehmer zu ermöglichen.

"Hier kann doch so etwas Schlimmes nicht passieren"

Die American Civic Organisation unterstützt Einwanderer und Flüchtlinge durch Betreuung und Beratung. Sie bietet Hilfe bei der Wohnungssuche und bei der Familienzusammenführung an. Zudem gibt es in dem Zentrum auch Beratung und Dolmetscher.

Studentin Leslie Shrager, die mit ihren fünf Mitbewohnern in der unmittelbaren Nachbarschaft der American Civic Organisation lebt, sagte, sie sei durch die Polizei geweckt worden, die an ihre Eingangstür gehämmert habe.

Die Beamten hätten sie und die anderen aus dem Haus eskortiert. "Einer unserer Mitbewohner hatte zuvor laute Geräusche gehört. Aber hier im Zentrum von Binghamton ist es immer laut", so Shrager. "Keine zwei Minuten später war die Polizei bei uns und hat uns in Sicherheit gebracht."

Rashidun Haque, der in der Nähe des Tatorts einen Supermarkt betreibt, sagte, die Polizei habe ihn und vier Kunden dazu angehalten, das Geschäft nicht zu verlassen und sich nicht in der Nähe der Fenster aufzuhalten. "Ich bin noch immer ganz zittrig", sagte er dem Sender CNN. "Das ist eine so kleine Stadt, eine schöne Stadt, hier kann doch so etwas Schlimmes nicht passieren."

Bingham hat etwa 45.000 Einwohner und liegt etwa 240 Kilometer nordwestlich der Millionenstadt New York.

han/AFP/AP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.