Bewährungsstrafe Bundeswehr-Ausbilder wegen Misshandlungen schuldig gesprochen

Einem Soldaten in den Unterleib geboxt, einer Rekrutin über die Wange geleckt: In Ahlen ist ein Soldat zu fünf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden - mehr als von der Staatsanwaltschaft gefordert.

Bundeswehrsoldat Christopher O.
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Bundeswehrsoldat Christopher O.


Für die entwürdigende Behandlung von Untergebenen, Nötigung und einen Schlag in den Unterleib ist ein 30-jähriger Hauptfeldwebel der Bundeswehr zu einer fünfmonatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Das Amtsgericht Ahlen ging mit diesem Urteil über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus.

Der Ausbilder Christopher O. hatte laut Gericht im Herbst 2016 bei einer Feier mit viel Alkohol zum Ende der Grundausbildung einer Rekrutin übers Gesicht geleckt - und die heute 18-Jährige zu seinem Eigentum erklärt. Einem Soldaten hatte er in den Unterleib geboxt.

Die Anklage sprach sich im Prozess für eine Geldstrafe von 7200 Euro (120 Tagessätze zu je 60 Euro) aus. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Der Anwalt des Soldaten aus der Westfalen-Kaserne im nordrhein-westfälischen Ahlen kündigte nach dem Urteil noch im Gerichtssaal Berufung an.

Die Taten waren ans Licht gekommen, weil Soldaten die Vorfälle intern meldeten. Der Fall Ahlen reiht sich ein in eine Serie von Skandalen um sexuelle Belästigung und entwürdigende Aufnahmerituale bei der Bundeswehr.

So hatte der SPIEGEL im Januar erhebliche Missstände in der Elite-Ausbildungskaserne Pfullendorf aufgedeckt: Körperverletzung, Nötigung und Freiheitsberaubung. In einem Untersuchungsbericht ist von "gravierenden Verstößen" gegen Grundsätze der Bundeswehr die Rede. Die Staatsanwaltschaft leitete jedoch kein Ermittlungsverfahren ein - wegen Mangels an Beweisen

Ein Wohnblock der Westfalen-Kaserne in Ahlen
AP

Ein Wohnblock der Westfalen-Kaserne in Ahlen

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apr/dpa

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