Bunga-Bunga-Prozess Berlusconis Anwälte wollen George Clooney vernehmen

Hatte Silvio Berlusconi Sex mit der minderjährigen Ruby? Ein Gerichtsverfahren soll diese Frage beantworten. Die Anwälte des italienischen Regierungschefs bringen sich mit einer illustren Zeugenliste in Stellung: Unter anderem soll Schauspieler George Clooney aussagen.

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Los Angeles/Rom - Fußballstar Cristiano Ronaldo, Schauspieler George Clooney, seine Lebensgefährtin Elisabetta Canalis: Was sich anhört wie die Gästeliste einer exklusiven Party hat tatsächlich einen weit weniger glamourösen Hintergrund: Die Namen der Promis stehen offenbar auf einer anderen Liste mit 78 Personen, die Silvio Berlusconis Anwälte beim Prozess gegen den italienischen Ministerpräsidenten im Zeugenstand sehen wollen. Darunter befindet sich auch Außenminister Franco Frattini. Das berichten mehrere Medien übereinstimmend.

Bei dem Prozess, der am 6. April in Mailand beginnen soll, muss sich Berlusconi wegen einer Sexaffäre mit Ruby verantworten. Er soll die damals 17-Jährige für Sex bezahlt und anschließend seinen Einfluss genutzt haben, um dies zu vertuschen. Berlusconi bestreitet die Vorwürfe. Angeblich will Ruby Clooney und Canalis bei einer von Berlusconis Partys gesehen haben. Das soll für Berlusconis Anwälte Grund genug gewesen sein, die beiden auf die Zeugenliste setzen zu lassen. "Wir wollen sehen, ob sie diese Tatsache bestätigen oder nicht", sagte ein Anwalt des italienischen Premiers.

Laut "Guardian" wird die Anklage Ruby nach Geldgeschenken und Schmuck fragen, die sie von Berlusconi erhalten haben soll. Berlusconis Anwälte, so die Zeitung, hofften dagegen, Rubys Glaubwürdigkeit zu untergraben, indem sie die Aussage der jungen Frau, Clooney und Canalis seien auf einer Party gewesen, den Aussagen des US-Schauspielers und seiner Lebensgefährtin gegenüberstelle.

Clooney hatte mitgeteilt, ihm erscheine das "seltsam, denn ich habe Berlusconi nur einmal getroffen und das war, als ich um Unterstützung für Darfur geworben habe", berichtet das US-Magazin "People". Die italienische Zeitung "Corriere della Sera" hatte am 22. Februar geschrieben, Canalis habe zu Vertretern der Staatsanwaltschaft gesagt, sie und Clooney hätten keine von Berlusconis Partys besucht.

Richter entscheidet darüber, welche Zeugen gehört werden

Berlusconi ist auch angeklagt, weil er versucht haben soll, Ruby aus Polizeigewahrsam zu befreien, nachdem sie wegen Diebstahls vorübergehend festgenommen wurde. Berlusconi sagt, er habe geglaubt, Ruby sei die Nichte des ägyptischen Ex-Präsidenten Husni Mubarak. Er habe einen diplomatischen Eklat vermeiden wollen.

Die Staatsanwaltschaft geht dagegen davon aus, dass Berlusconi seine Beziehung zu Ruby, die im vergangenen November 18 wurde, geheim halten wollte. Die Anklagebehörde hat insgesamt 136 Zeugen benannt - darunter auch Mailänder Polizisten, die mit Rubys Festnahme befasst waren. Außerdem sollen Ruby sowie 32 andere Frauen aussagen, die als Prostituierte bei Sexpartys in Berlusconis Villa gearbeitet haben sollen.

Ein Richter muss nun entscheiden, welche Zeugen zugelassen werden. Berlusconi hat angekündigt, dem Verfahren beizuwohnen, soweit es seine Amtsgeschäfte zuließen.

ulz/AFP/dapd/AP



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