Skandalheim Burbach Misshandelter Flüchtling sitzt seit Mai in U-Haft
Eines der Misshandlungsopfer aus dem Asylbewerberheim im nordrhein-westfälischen Burbach wird sich demnächst wegen Diebstahls vor Gericht verantworten müssen. Der Algerier Karim M., 18, ist nach SPIEGEL-Informationen angeklagt, zusammen mit einem 32-jährigen Landsmann Ende Mai in ein Juweliergeschäft in Iserlohn eingebrochen zu sein. Die beiden Männer konnten jedoch in der Nähe des Tatorts gefasst werden, wie aus Kreisen der Justiz verlautete. Seither sitzen sie in Untersuchungshaft.
M. ist der bislang unbekannte Flüchtling aus der Unterkunft im Siegerland, dessen Martyrium auf einem Video festgehalten worden war. In dem Film ist zu hören, wie die Wachleute Dirk O. und Henning G. den gefesselten Asylbewerber auffordern, sich in sein Erbrochenes zu legen. Zuvor soll ihr Kollege R. den Nordafrikaner geschlagen haben. Die Staatsanwaltschaft Siegen ermittelt daher gegen die Sicherheitsmänner. Die mit einem Handy gefertigten Aufnahmen entstanden nach SPIEGEL-Informationen Ende April.
Gut einen Monat später stieg M. laut Anklage zusammen mit seinem Komplizen in das Iserlohner Fachgeschäft ein. Demnach brachen sie im Keller des Hauses ein Loch in die Decke, durch das sie in den Laden eindringen konnten. Jedoch lösten sie wenig später einen Alarm aus. Als die Polizei anrückte, versteckten die Täter die zusammengerafften Wertgegenstände und flüchteten. Weit kamen sie jedoch nicht. Das Verfahren vor dem Jugendschöffengericht ist noch nicht terminiert.
Einer der beiden übergriffigen Wachmänner hatte im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE die Bilder zu erklären versucht: An dem betreffenden Abend habe Karim M. randaliert, wieder einmal. Obwohl es in dem Heim ein striktes Alkoholverbot gebe, sei M. häufig sehr betrunken gewesen. Er habe sich immer wieder übergeben müssen und sie mit Glasscherben angegriffen. Schließlich, nach Stunden, habe sein Kollege R. zugeschlagen. Weil der Asylbewerber aber immer noch keine Ruhe gegeben habe, habe er ihm gedroht: "Willst du noch eine haben? Soll ich dir in die Fresse treten, oder was?"
Seiner Darstellung zufolge nahm der Wachmann R., der den Flüchtling geohrfeigt hatte, wenig später auch das Video auf, das vor zwei Wochen einem Journalisten zugespielt worden war.
Der andere beteiligte Aufpasser, der in dem Film zu hören ist, sagte dem SPIEGEL, Karim M. habe sich am Folgetag bei ihm für sein Verhalten entschuldigt, er sei eben stark alkoholisiert gewesen. In dem Burbacher Flüchtlingsheim herrscht eigentlich striktes Alkoholverbot. Sowohl Bewohner als auch frühere Angestellte schildern jedoch, dass dort regelmäßig viel getrunken worden sei.
Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE zeichneten mehrere ehemalige Wachleute das generelle Bild einer schaurigen Anstalt, in der über lange Zeit - unbemerkt oder ignoriert von den Behörden - skandalöse Zustände geherrscht hätten. Einige Kollegen machten sich demnach einen Spaß daraus, Flüchtlinge zu schikanieren. Zeitweise hätten sich die Männer, deren Rädelsführer der Wachmann R. gewesen sei, in der WhatsApp-Gruppe "Marokks" gegenseitig Bilder erniedrigter Menschen zugeschickt. "Das war widerlich", so einer der ehemaligen Ordner.
SPIEGEL+-Zugang wird gerade auf einem anderen Gerät genutzt
SPIEGEL+ kann nur auf einem Gerät zur selben Zeit genutzt werden.
Klicken Sie auf den Button, spielen wir den Hinweis auf dem anderen Gerät aus und Sie können SPIEGEL+ weiter nutzen.
Dieses Bild machte den Skandal um das Flüchtlingsheim Burbach publik: Der Wachmann Markus H. drückt einem gefesselten Flüchtling seinen Fuß auf den Nacken. Die Hagener Polizei veröffentlichte das Foto am vorvergangenen Sonntag. H. bestreitet vehement einen rechtsextremen Hintergrund.
Verdreckter Waschraum in Burbach: Nordrhein-Westfalen will die Wachleute in Flüchtlingsheimen künftig vom Verfassungsschutz überprüfen lassen.
Wachmann mit gefesseltem Flüchtling: Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE zeichnet Markus H. das Bild eines Flüchtlingsheimes, in dem über lange Zeit - unbemerkt oder ignoriert von den Behörden - skandalöse Zustände geherrscht hätten. Einige seiner Kollegen hätten sich einen Spaß daraus gemacht, Asylbewerber zu schikanieren, so H. Aber auch viele Flüchtlinge seien schwierig gewesen, alle paar Wochen habe es eine Schlägereien zwischen mehreren Bewohnern gegeben.
Dieses Bild machte den Skandal um das Flüchtlingsheim Burbach publik: Der Wachmann Markus H. drückt einem gefesselten Flüchtling seinen Fuß auf den Nacken. Die Hagener Polizei veröffentlichte das Foto am vorvergangenen Sonntag. H. bestreitet vehement einen rechtsextremen Hintergrund.
Foto: DPA/ Polizei NRW