Misshandlungen in Flüchtlingsunterkunft Gericht verurteilt Burbacher Heimleiter zu Bewährungsstrafe

Das Landgericht Siegen hat den Leiter einer Flüchtlingsunterkunft in Burbach zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Er wurde der Freiheitsberaubung in mehr als 30 Fällen schuldig gesprochen.

Der Angeklagte und sein Anwalt Lars Leininger im Landgericht Siegen
DPA

Der Angeklagte und sein Anwalt Lars Leininger im Landgericht Siegen


Nach Misshandlungen in einem Flüchtlingsheim in Burbach hat das Landgericht Siegen den damalige Heimleiter verurteilt. Es verhängte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Als Bewährungsauflage muss der Mann 1200 Euro an die Uno-Flüchtlingshilfe zahlen.

Unter der Führung des Angeklagten waren in der Einrichtung in Nordrhein-Westfalen zwischen 2013 und 2014 wiederholt Flüchtlinge in ein sogenanntes Problemzimmer gesperrt worden. Die Richter lasteten dem Angeklagten 33 Fälle von Freiheitsberaubung an.

Zu seinen Gunsten wertete das Gericht vor allem sein umfassendes Geständnis. Dafür hatte es dem 38-Jährigen bereits zu Prozessbeginn eine Bewährungsstrafe in Aussicht gestellt. Um gegen die zahlreichen Hausordnungsverstöße in der überbelegten Einrichtung vorzugehen, hatte er angeordnet, Bewohner bei Fehlverhalten in ein anderes Zimmer einzuquartieren. Im Laufe der Zeit sei ihm jedoch klar gewesen, dass sie dort auch gegen ihren Willen teilweise tagelang eingesperrt wurden.

Zudem habe der Angeklagte durch die Einrichtung des "Problemzimmers" die Grundlage für ein eigenmächtiges Bestrafungssystem geschaffen: Einige in einem parallel laufenden Verfahren angeklagte Wachleute und Betreuer sollen die eingesperrten Bewohner wiederholt geschlagen, getreten und auch gedemütigt haben.

bbr/dpa

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