Mutmaßliche Entführungspläne gegen Bushidos Familie Wie es zur Festnahme der Brüder Abou-Chaker kam

Arafat Abou-Chaker soll die Entführung von Bushidos Kindern geplant haben. Von entscheidender Bedeutung ist die Aussage seiner Schwägerin. SPIEGEL TV hat sie in Dänemark gefunden.
Arafat Abou-Chaker und Bushido (2010)

Arafat Abou-Chaker und Bushido (2010)

Foto: imago/ Mauersberger

Ein kalter Abend in Aarhus, eine Straße am Rande der Stadt. Wohnblocks dominieren die Gegend. Hier lebt eine Frau, die mit ihrer Aussage bei der Berliner Polizei einen Schlag gegen einen der berüchtigtsten Berliner Clans ermöglicht hat. Die Frau von Yasser Abou-Chaker.

Sie öffnet die Tür, wirft sich noch schnell ein Kopftuch über ihre blondierten Haare. Reporter von SPIEGEL TV reden mit ihr: "Hallo, wir sind deutsche Journalisten. Wir möchten mit Yassers Frau reden." Sie lächelt, ist freundlich und entspannt. "Ich bin es. Aber ich möchte nicht mit Journalisten reden. Ich bin nicht in Gefahr. Aber dies ist eine Familiensache."

Die Frage, warum sie bei den Ermittlern ausgesagt hat, ist ihr offenbar unangenehm. Das Lächeln verschwindet aus ihrem Gesicht. Sie schweigt. Aus dem Hintergrund ruft eine Frau: "Halt, wegen der Familie können wir darüber nichts sagen."

Mitte Januar war zunächst Clanchef Arafat Abou-Chaker, 42, in Berlin festgenommen worden. Und dann, am vergangenen Montag, auch sein Bruder Yasser. Der 37-Jährige wurde in Aarhus bei seiner Familie verhaftet, er hatte versucht, sich unter einem Bett zu verstecken. Yasser Abou-Chaker sitzt derzeit in Auslieferungshaft. "Wenn er der Überstellung nach Deutschland zustimmt, kann es ganz schnell gehen", sagt ein Ermittler in Aarhus.

Hintergrund für die Festnahmen ist ein Streit zwischen Arafat Abou-Chaker und seinem früheren Geschäftspartner Bushido, der sogar eine Generalvollmacht unterschrieben und sich so dem Clan ausgeliefert hatte. Nach Jahren lukrativer Zusammenarbeit haben sich die beiden inzwischen überworfen. Die Brüder Abou-Chaker sollen nun geplant haben, Frau und Kinder des Rappers zu entführen. Auch von einer Säureattacke auf Bushidos Frau ist angeblich die Rede gewesen.

Nach Recherchen von SPIEGEL TV entwickelte sich der Fall wie folgt: Yasser Abou-Chakers Frau will sich offenbar von ihrem Mann trennen, an einem Dienstag Ende November verlässt sie mit den Kindern das gemeinsame Haus im Berliner Vorort Kleinmachnow. Sie fährt nach Dänemark zu ihren Eltern. Einen Tag später taucht ihr Mann auf, nimmt die Kinder und fährt wieder nach Berlin.

Seine Frau meldet sich daraufhin bei der Polizei in Aarhus und spricht anschließend auch in Berlin mit Ermittlern des Landeskriminalamts. Ihre Kinder seien entführt worden, so ihre Aussage, damit sie nicht bei der Polizei über ihren Mann auspacke. Doch sie entschließt sich zu reden und berichtet den Vernehmern von den angeblichen Plänen gegen Bushido und dessen Frau. Außerdem habe es Todesdrohungen gegen sie selbst gegeben, da sie schwanger gewesen sei und das Kind nicht habe behalten wollen.

Als das Jugendamt ihr die Kinder wieder übergibt, beendet sie ihre Aussage bei der Polizei und fährt wieder nach Aarhus, zu ihren Eltern.


Mehr zu den Ermittlungen und zu dem Verhältnis zwischen Bushido und den Abou-Chakers heute Abend bei SPIEGEL TV um 23:25 Uhr auf RTL