Callcenter-Betrug Bande soll 30.000 Menschen um Millionen betrogen haben

Ermittler aus Nordrhein-Westfalen haben eine mutmaßliche Callcenter-Bande festgenommen, die bundesweit Zehntausende Menschen abgezockt haben soll. Manche Betroffene erhielten bis zu 20 Anrufe an einem Tag. Der Schaden geht laut Staatsanwaltschaft in die Millionen.


Hilden/Mettmann - Eine Bande aus Nordrhein-Westfalen soll mit Komplizen in ausländischen Callcentern etwa 30.000 Menschen um rund vier Millionen Euro betrogen haben. Nach monatelangen Ermittlungen sitzen zwei Hauptverdächtige in Untersuchungshaft, wie Polizei und Staatsanwaltschaft in Mettmann mitteilten.

Staatsanwalt Alexander Dierselhuis sprach von einer "sehr komplizierten Betrugsmasche". Er klagte sechs Verdächtige an, darunter einen 35-Jährigen als mutmaßlichen Kopf der Bande.

Die Beschuldigten sollen ihre Opfer mit Anrufen zu Gewinnspielen terrorisiert haben. "Wir wissen von Opfern, die 15 bis 20 Anrufe am Tag erhalten haben", sagte der Staatsanwalt. Später sollen die Verdächtigen den Betroffenen vermeintliche Schutzmaßnahmen gegen unseriöse Anrufe verkauft haben - zum Beispiel wirkungslose Sperrboxen, die ungewollte Nummern blockieren sollten. Der Bande wird auch vorgeworfen, Tausende gefälschte Rechnungen verschickt und den Opfern mit Kontopfändung gedroht zu haben.

Vor allem ältere Menschen wurden betrogen. "Wir haben jede Menge Geschädigte bei uns, die mehrfach angegangen wurden", sagte der Leiter der Ermittlungskommission, Claus Rehmann. Die Callcenter-Agenten hätten sich zum Teil als Mitarbeiter von Verbraucherzentralen, Inkasso-Büros oder Staatsanwaltschaften ausgegeben. Viele ältere Menschen hätten dann gezahlt, "weil sie Angst vor den Repressalien hatten".

Die Ermittler berichteten von Scheinfirmen, Dutzenden Strohmännern und Callcentern in der Türkei, Bulgarien und Mazedonien. Bei Durchsuchungen stellten Polizisten Zehntausende Anschreiben und mehr als 650.000 Datensätze zu Personen sicher. "Wir gehen davon aus, dass es ganz viele Gruppen in Deutschland gibt, die nach diesem Muster verfahren", sagte Dierselhuis.

Laut Bundeskriminalamt werden Ältere immer öfter Opfer von international agierenden Telefonbetrügern. Seit 2008 seien rund 300.000 Opfer ausländischer Callcenter registriert worden. "Der Schaden liegt bei etwa 31 Millionen - und das Dunkelfeld ist dabei noch nicht einmal eingerechnet", sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke am Mittwoch in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst". In der Sendung gab es nach dem Bericht über die Callcenter-Mafia Probleme mit der Telefonanlage, möglicherweise handelte es sich um Sabotage.

hut/dpa



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