Prozess um Hilfe für Migranten Mildes Urteil für französischen Olivenbauern

Wer an der Grenze zwischen Italien und Frankreich Migranten hilft, muss mit harten Strafen rechnen. Bei Cédric Herrou entschieden die Richter milde. Der Prozess machte ihn zur Symbolfigur.
Cedric Herrou

Cedric Herrou

Foto: VALERY HACHE/ AFP

Der Olivenbauer Cédric Herrou ist mit einer milden Strafe davongekommen: In einem viel beachteten Prozess verurteilte ein Gericht in Nizza ihn zu einer Geldstrafe von 3000 Euro auf Bewährung. Die Staatsanwaltschaft hatte acht Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung gefordert.

Der Vorwurf: Hilfe für Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis im Grenzgebiet zu Italien. Herrou war durch den Prozess zu einer nationalen Symbolfigur für Flüchtlingshelfer geworden. Er hatte in den vergangenen Jahren etwa 200 Migranten über die Grenze nach Frankreich gebracht, sein Handeln politisch begründet und die Behörden scharf angegriffen.

Die Richter ließen einen Teil der Vorwürfe fallen. Herrous Verteidiger Zia Oloumi sprach von einem "gerechten und ausgewogenen Urteil". Das Gericht habe verstanden, dass der 37-Jährige allein aus humanitären Beweggründen gehandelt habe.

Bis zu fünf Jahre Haft möglich

Für Hilfe zu illegaler Einreise, Verkehr oder Aufenthalt drohen in Frankreich bis zu fünf Jahre Haft und 30.000 Euro Geldstrafe. Bei der Hilfe zum Aufenthalt macht das Gesetz aber zugleich eine Ausnahme für Menschen, die keine Gegenleistung erhalten und "würdige Lebensbedingungen" der Migranten sicherstellen wollen.

An der Grenze östlich von Nizza versuchen zahlreiche Migranten, die über das Mittelmeer nach Italien gelangt sind, weiter über Frankreich Richtung Norden zu kommen. Die französische Polizei fängt viele von ihnen ab und schickt sie zurück ins Nachbarland.

Die Organisation Amnesty International hatte das Vorgehen am Mittwoch ebenfalls kritisiert: Die Rechte der Flüchtlinge würden nicht geachtet.

Herrou baut im Roya-Tal in den französischen Alpen Oliven an und verkauft Bioeier. Auf seinem Grundstück beherbergt der 37-Jährige seit einiger Zeit Migranten auf der Durchreise. Den Vorwurf der Hilfe zum illegalen Aufenthalt ließ das Gericht jedoch fallen.

Herrou forderte die französische Politik am Freitag auf, sich ihrer Verantwortung zu stellen und die Migranten "würdevoll aufzunehmen". Er argumentiert, dass Ehrenamtliche in der Region sich um die Menschen kümmerten und damit Versäumnisse des Staats kompensierten.

Er wirft den Behörden vor allem vor, dass auch unbegleitete Minderjährige zurück nach Italien geschickt würden, obwohl diese in Frankreich untergebracht werden müssten.

tak/dpa/ap
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.