Celle Verfahren gegen ehemaligen KZ-Wächter Berger erneut eingestellt

Friedrich Karl Berger war Wachmann in einem Konzentrationslager. Jetzt hat die Generalstaatsanwaltschaft Celle ihre Ermittlungen gegen den 95-Jährigen eingestellt. Es liege kein hinreichender Tatverdacht vor.
Früheres Konzentrationslager Neuengamme

Früheres Konzentrationslager Neuengamme

Foto: NurPhoto / Getty Images

Das Ermittlungsverfahren gegen den aus den USA nach Deutschland ausgewiesenen ehemaligen KZ-Wächter Friedrich Karl Berger wegen des Verdachts der Beihilfe zum Mord ist erneut eingestellt worden.

Dem 95-Jährigen wurde zur Last gelegt, als Wachmann im Konzentrationslager Neuengamme, Nebenlager Meppen-Dalum oder Meppen-Versen, zwischen dem 28. Januar 1945 und dem 4. April 1945 insbesondere durch die Bewachung eines Marschs zur Evakuierung der Nebenlager einen Beitrag zum Tod vieler Gefangener geleistet zu haben.

Berger war in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs von der Marine zur SS abgestellt worden, um sogenannte Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme im niedersächsischen Emsland zu bewachen. In diesen Lagern waren Zwangsarbeiter untergebracht, die militärische Anlagen errichten mussten. Knapp 400 Gefangene starben dort oder auf den sogenannten Evakuierungsmärschen.

Kein hinreichender Tatverdacht

Die Generalstaatsanwaltschaft hatte das Ermittlungsverfahren bereits Ende November 2020 eingestellt, weil ein hinreichender Tatverdacht nicht zu begründen war.

Nachdem der Beschuldigte am 20. Februar aus den USA nach Deutschland abgeschoben worden war und seine grundsätzliche Aussagebereitschaft signalisiert hatte, wurden die Ermittlungen wieder aufgenommen, um dem Beschuldigten rechtliches Gehör zu gewähren.

Ein Verteidiger erklärte nach Rücksprache mit seinem Mandanten, dass dieser für eine verantwortliche Vernehmung als Beschuldigter nicht zur Verfügung stehe, hieß es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft am Mittwoch. Nach Ausschöpfen sämtlicher Beweismittel stellte die Generalstaatsanwaltschaft daher das Ermittlungsverfahren erneut mangels hinreichenden Tatverdachts ein.

»Mir wurde befohlen, dort hinzugehen«

Der Deutsche hatte seit 1959 in den USA gewohnt – jahrzehntelang war seine Vergangenheit unbekannt. Den US-Behörden zufolge hat Berger eingeräumt, als Wachmann in einem Außenlager des Hamburger Konzentrationslagers Neuengamme Gefangene bewacht zu haben. Er betonte aber, nur die Befehle seiner Vorgesetzten ausgeführt zu haben. »Ich war 19 Jahre alt«, sagte er bei einem Gerichtsprozess, »mir wurde befohlen, dort hinzugehen.« Ein Richter in den USA ordnete seine Abschiebung an.

Die deutsche Justiz nahm die Ermittlungen gegen Berger im Jahr 2020 auf, stellte sie mangels hinreichenden Tatverdachts aber Ende 2020 ein. Damals hieß es: »Die eingeräumte Bewachung von Gefangenen in einem Konzentrationslager, das nicht der systematischen Tötung der Gefangenen diente, reicht als solche für einen Tatnachweis nicht aus.« Die Ermittlungen in den USA hätten den Beschuldigten nicht mit einer konkreten Tötungshandlung in Verbindung gebracht.

Für die juristische Bewertung der Rolle ehemaliger Wachleute in NS-Konzentrationslagern ist der Zweck der Lager entscheidend, weil heute nur noch Beihilfe zum Mord geahndet werden kann. Andere Delikte wie Totschlag, Körperverletzung oder Freiheitsberaubung sind verjährt.

Allein wegen der Zugehörigkeit zur Wachmannschaft kommen Anklagen daher nur bei Lagern infrage, die systematisch als Todes- oder Vernichtungslager betrieben wurden. Andernfalls muss den Beschuldigten eine konkrete Mordbeihilfe nachzuweisen sein.

ala/AFP/dpa