Fall Charlie Gard Todkrankes Baby muss weiter behandelt werden

Ein britisches Gericht hatte entschieden, dass ein todkrankes Baby nicht weiter behandelt werden soll - gegen den Willen der Eltern. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte tritt dem fürs Erste entgegen.
Charlies Eltern: Chris Gard und Connie Yates

Charlies Eltern: Chris Gard und Connie Yates

Foto: Chris J Ratcliffe/ Getty Images

In Großbritannien müssen Ärzte ein todkrankes Baby weiter am Leben halten. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg verlängerte eine entsprechende vorläufige Anordnung bis auf Weiteres.

Die Eltern möchten den zehn Monate alten Charlie, der an einer seltenen genetischen Erkrankung leidet, für eine experimentelle Therapie in die USA bringen. Die britischen Ärzte, die den Jungen bisher behandeln, sind allerdings überzeugt, dass die Therapie nicht helfen würde. Sie wollen die lebenserhaltenden Maßnahmen einstellen.

Eine Klage der Eltern gegen die Entscheidung der Mediziner blieb in Großbritannien erfolglos. Nun prüft der Menschenrechtsgerichtshof den Fall.

Mit der vorläufigen Entscheidung über die Fortsetzung der Behandlung hat er sich in der Sache noch nicht festgelegt. Die Eltern müssen ihre Beschwerde noch begründen. Sollten sie dies nicht tun, endet die Anordnung der lebensverlängernden Behandlung am kommenden Montag um Mitternacht.

Charlies Eltern hatten dafür gekämpft, ihren Sohn für eine weitere Behandlung in die USA bringen zu können. Sie sammelten dafür umgerechnet bereits rund 1,4 Millionen Euro. "Er hat buchstäblich nichts zu verlieren, aber möglicherweise ein gesundes und glückliches Leben zu gewinnen", schrieben sie auf einer Fundraising-Webseite .

Die Ärzte hatten argumentiert, Charlie könne bei einer weiteren Behandlung möglicherweise Schmerzen erleiden. Durch bereits erlittene Hirnschäden werde sich sein Zustand selbst bei erfolgreicher Behandlung nicht mehr verbessern. "Mit schwerem Herzen, aber in der vollen Überzeugung, dass es in Charlies bestem Interesse ist", habe er sich entschieden, dem Antrag des Krankenhauses stattzugeben, heißt es in der Urteilsbegründung des Richters.

Die mitochondriale Myopathie, auch mitochondriales DNA Depletionssyndrom genannt, ist eine sehr schwere und unheilbare Erbkrankheit. Die seltene Erkrankung kann unterschiedliche Organe wie die Leber, das Hirn und die Nieren betreffen. Meist führt sie nach wenigen Monaten bis mehreren Jahren zu Multiorganversagen und zum Tod. Einige Studien deuten aber darauf hin, dass die Gabe von Aminosäuren und Enzymen den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen kann.