US-Militär Fünftes Todesopfer nach Anschlägen in Tennessee

Was den Schützen von Chattanooga zum Angriff auf zwei Militäreinrichtungen bewog, ist weiter unklar. Zuletzt hatte sich der 24-Jährige monatelang im Nahen Osten aufgehalten. Die Zahl der Todesopfer ist auf fünf gestiegen.
US-Flagge in Chattanooga: Trauer um Opfer von Angriff auf Militäreinrichtungen

US-Flagge in Chattanooga: Trauer um Opfer von Angriff auf Militäreinrichtungen

Foto: TAMI CHAPPELL/ REUTERS

Zwei Tage nach den Angriffen auf militärische Einrichtungen im US-Bundesstaat Tennessee ist ein fünftes Opfer gestorben. Wie die US-Marine am Samstag mitteilte, erlag ein 24 Jahre alter Matrose in der Nacht seinen Verletzungen.

Der als Täter identifizierte Mohammad Youssef A. hatte am Donnerstag ein Rekrutierungsbüro in Chattanooga angegriffen. Anschließend lieferte er sich eine Verfolgungsjagd mit der Polizei und fuhr zu einem Reservistenzentrum, wo er vier Marineinfanteristen erschoss. Der nun verstorbene Matrose wurde mit mehreren Schusswunden ins Krankenhaus gebracht, zwei weitere Menschen erlitten leichtere Verletzungen und konnten inzwischen das Krankenhaus verlassen. Der Schütze, der nach Medienberichten aus Kuwait stammt, aber schon lange in der Region lebte, wurde von der Polizei getötet.

Die Ermittlungen konzentrieren sich auf "inländischen Terrorismus". Nicht ausgeschlossen werden aber auch mögliche Verbindungen zu internationalen Extremisten sowie "ein einfacher krimineller Akt". Die US-Bundespolizei FBI arbeitet gemeinsam mit ausländischen Geheimdiensten daran, Spuren im Ausland sowie in sozialen Netzwerken zu rekonstruieren. A. wurde in Kuwait geboren, wuchs aber in den USA auf und erhielt dort die Staatsbürgerschaft.

"Etwas ist dort passiert"

Die Behörden prüfen unter anderem, ob der 24 Jahre alte Täter bei einem monatelangen Aufenthalt in Jordanien im vergangenen Jahr radikalisiert wurde. Ein Schulfreund sagte dem Sender CNN, A. sei verändert aus Jordanien zurückgekehrt. Er sei verschlossener gewesen, "etwas ist dort passiert". Die FBI-Ermittler versuchen nun herauszufinden, ob der junge Mann während der Reise Kontakte zu Extremisten hatte.

FBI-Ermittler Ed Reinhold sagte, bislang gebe es keine Anzeichen, dass es sich um einen von der Terrormiliz "Islamischer Staat" inspirierten oder gesteuerten Angriff gehandelt habe. "Wir nehmen momentan an, dass die Tat nur von ihm selbst ausging." Staatsanwalt Bill Killian betonte, es müsse sich nicht zwangsläufig um eine terroristisch motivierte Tat handeln. "Wir wollen lediglich sichergehen, dass wir jeden Ansatz verfolgen."

Unterdessen wurden weitere Einzelheiten über A. bekannt. So arbeitete er vorübergehend in einem Atomkraftwerk. Er sei entlassen worden, als sich herausstellte, dass er nicht die Mindestanforderungen an den Job erfüllte, sagte eine Sprecherin des Energieversorgers FirstEnergy. A. war demnach Ende Mai 2013 für knapp zwei Wochen im AKW Perry im US-Bundesstaat Ohio beschäftigt, hatte allerdings nie unbegleiteten Zugang zu der Anlage.

Zuletzt war er laut CNN zufolge bei einer Kabelfirma tätig, meldete sich am Montag und Dienstag vor der Tat krank und hatte am Mittwoch frei. A. praktizierte nach Aussage von Bekannten seinen muslimischen Glauben, er sei aber keineswegs fanatisch gewesen. Er kam nur einmal mit dem Gesetz in Konflikt, im April wurde er wegen Trunkenheit am Steuer vorübergehend festgenommen.

Die 168.000-Einwohner-Stadt Chattanooga steht nach dem Attentat weiter unter Schock. Die Islamische Gesellschaft der Region sagte aus Rücksicht auf die Opferfamilien die geplanten Feiern zum islamischen Fastenbrechen ab.

wit/dpa/AFP
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