Sachsen Anschlag auf das Kulturzentrum Lokomov
Kulturzentrum Lokomov in Chemnitz
Foto: Harry Härtel/ dpaAuf das Chemnitzer Kulturzentrum Lokomov ist in der Nacht ein Sprengstoffanschlag verübt worden. Welche Art von Pyrotechnik benutzt wurde, konnte die Polizei nicht sagen. Auf Fotos ist allerdings erkennbar, welche Wucht die Detonation hatte.
Es ging nicht nur eine Scheibe zu Bruch, auch Teile des Fensterrahmens wurden zerstört. Verletzt wurde niemand, Eigentümer Lars Fassmann bezifferte den Schaden auf etwa 2500 Euro. Wie die "Freie Presse" schreibt, befand sich zum Tatzeitpunkt eine Person in dem Gebäude, die von einem grellen roten Blitz, einem Knall und einer Druckwelle berichtete.
Fassmann wertete den Anschlag als Reaktion auf das, wofür das Zentrum steht und arbeitet: Momentan ist es an dem Chemnitzer Theaterprojekt "Unentdeckte Nachbarn" beteiligt, das sich mit der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund beschäftigt. Laut Fassmann reiht sich der Anschlag in eine ganze Serie von Vorfällen ein, bei denen Scheiben zerstört und die Fassade des Klubs mit Farbbeuteln beworfen wurde. Selbst große Pflastersteine seien schon durchs Fenster geschmissen worden, obwohl sich in dem Gebäude Menschen aufhielten.
"Mit dem jetzigen Anschlag ist aber eine neue Qualität erreicht", sagte Fassmann. In Chemnitz hätten sich inzwischen feste Strukturen gebildet, sagte er mit Blick auf die rechtsextremistische Szene in der Stadt. Neonazis hätten auch schon Besucher der Veranstaltungen im Kulturzentrum zusammengeschlagen. Dennoch wolle man sich nicht unterkriegen lassen.
"Mit diesem traurigen Höhepunkt einer ganzen Reihe von Angriffen auf Einrichtungen, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren, ist eine neue Ebene der politisch motivierten Gewalt aus der rechten Szene erreicht", erklärte die Chemnitzer Grünen-Politikerin Petra Zais. Sie sieht die Schwelle zum Terrorismus überschritten.
Erst am vergangenen Wochenende hatten Unbekannte in Zwickau ein Denkmal der Initiative "Sternendekorateure" beschädigt, das an die Opfer des NSU erinnern soll.