Terroranklage nach Krawallen von Chemnitz Generalbundesanwalt belastet mutmaßliche Rechtsterroristen schwer

Unter dem Namen "Revolution Chemnitz" sollen sie Anschläge geplant - und einen "Probelauf" unternommen haben: Die Bundesanwaltschaft hat jetzt offiziell Details zur Terroranklage gegen acht Rechtsextremisten bekannt gegeben.
Ein Terrorverdächtiger wird im Oktober 2018 abgeführt

Ein Terrorverdächtiger wird im Oktober 2018 abgeführt

Foto: FRANZISKA KRAUFMANN/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Bei den Ausschreitungen von Chemnitz im Spätsommer 2018 sollen sie sich zur Gruppe "Revolution Chemnitz" zusammengeschlossen haben: Der Generalbundesanwalt hat offiziell Details zur Anklage gegen acht Männer wegen Rechtsterrorismus vor dem Oberlandesgericht Dresden bekannt gegeben.

Die Beschuldigten gehören demnach zur Hooligan-, Skinhead- und Neonazi-Szene im Raum Chemnitz - und verstanden sich als führende Personen in der rechtsextremistischen Szene Sachsens, wie es in der Mitteilung der Anklagebehörde  heißt. Der SPIEGEL hatte bereits am Dienstag über die Anklage berichtet.

Die Anklage nennt den 31-jährigen Christian K. als Rädelsführer. Gemeinsam mit dem 28-jährigen Sten E., dem 21-jährigen Martin Klaus H., dem 28-jährigen Maximilian V., dem 31-jährigen Marcel W., dem 28-jährigen Sven W., dem 28-jährigen Hardy Christopher W. und dem 31-jährigen Tom W. soll er eine rechtsterroristische Vereinigung gegründet haben. Sämtliche Angeschuldigten befinden sich laut Bundesanwaltschaft in Untersuchungshaft.

Verletzter durch Flaschenwurf

Fünf der acht mutmaßlichen Rechtsterroristen wird zudem ein besonders schwerer Fall des Landfriedensbruchs vorgeworfen. Sten E. soll sich zudem der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig gemacht haben.

Die rechtsextremistisch und bisweilen offen nationalsozialistisch gesinnten Angeschuldigten hätten den Ermittlungsergebnissen zufolge ein "revolutionäres", auf die Überwindung des demokratischen Rechtsstaates gerichtetes Ziel verfolgt, teilte die Behörde mit. Dazu hätten sie gewalttätige Angriffe und bewaffnete Anschläge auf Ausländer und politisch Andersdenkende verüben wollen. Die "Revolution" - die "Systemwende" - sollte mit einem symbolträchtigen Geschehen am Tag der Deutschen Einheit, dem 3. Oktober 2018, eingeleitet werden.

Im Video: Die Hintermänner der Chemnitz-Krawalle

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Am 14. September 2018 sollen die Angeschuldigten während der Krawalle von Chemnitz einen sogenannten "Probelauf" durchgeführt haben. Auf den Einsatz tödlicher Waffen sei dabei noch bewusst verzichtet worden. Die fünf wegen schweren Landfriedensbruchs angeklagten Rechtsextremisten sollen sich bewaffnet mit Glasflaschen und Quarzhandschuhen gemeinsam mit weiteren gewaltbereiten Anhängern anderer rechtsextremer Gruppen auf der Schlossteichinsel in Chemnitz versammelt haben.

Dort hätten sie Anhänger der Antifa angreifen wollen, hieß es. Die Männer hätten etwa 20 jugendliche Gäste einer Geburtstagsparty eingeschüchtert, verfolgt und geschubst. Als die mutmaßlichen Rechtsterroristen später auch mehrere Ausländer angegriffen hätten, sei ein Opfer durch eine geworfene Glasflasche am Hinterkopf verletzt worden.

apr
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