Prozess um Messerstecherei in Chemnitz Staatsanwaltschaft fordert zehn Jahre Haft

Im Prozess um den tödlichen Messerangriff von Chemnitz im August 2018 hat die Staatsanwaltschaft für den Tatverdächtigen Alaa S. eine zehnjährige Haftstrafe beantragt. Am Donnerstag soll das Urteil fallen.

Früher als erwartet soll gegen den Angeklagten Alaa S. das Urteil fallen
Robert Michael/ ZB/ DPA

Früher als erwartet soll gegen den Angeklagten Alaa S. das Urteil fallen


Eigentlich waren noch Termine bis zum 29. Oktober angesetzt - nun soll das Urteil im Prozess um die tödlichen Messerstiche von Chemnitz in wenigen Tagen gesprochen werden: Am Donnerstag, und damit wenige Tage vor dem ersten Jahrestag des gewaltsamen Todes des Chemnitzers Daniel H., wird das Urteil gegen einen der zwei Tatverdächtigen erwartet.

Die Staatsanwaltschaft beantragte in ihrem Plädoyer eine Gesamthaftstrafe wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung von zehn Jahren für den Angeklagten Alaa S. Die Höchststrafe bei Totschlag beträgt 15 Jahre. Vor der erwarteten Urteilsverkündung halten die drei Nebenklagevertreter sowie die Verteidigung am kommenden Donnerstag ihre Schlussvorträge. Zudem hat der Angeklagte, der während des gesamten Prozesses zu den Tatvorwürfen geschwiegen hat, ein letztes Mal die Möglichkeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern.

Der Syrer soll gemeinsam mit einem flüchtigen Iraker am 26. August 2018 Daniel H. erstochen haben. Überdies wurde ihm vorgeworfen, einen weiteren Mann mit einem Messerstich verletzt zu haben. Seit dem 18. März muss sich Alaa S. vor dem Landgericht Chemnitz wegen gemeinschaftlichen Totschlags verantworten.

Aus Sicherheitsgründen findet der Prozess in einem Gebäude des Oberlandesgerichtes (OLG) in Dresden statt. Grund dafür sind die rassistischen Übergriffe, Demonstrationen rechter Kräfte sowie zahlreichen Gegenproteste, die in der Folge der Tat die Stadt erschütterten.

Verteidigungsrede für den Hauptbelastungszeugen

In seinem Plädoyer vor Gericht ging der Staatsanwalt mit keinem Wort auf die Folgen der Tat ein. Stephan Butzkies erläuterte vielmehr, weshalb er die in der Anklageschrift verfassten Tatvorwürfe durch die Beweisaufnahme in weiten Teilen für bewiesen hielt. So wurde sein Plädoyer auch eine Verteidigungsrede für den Hauptbelastungszeugen.

Der einstige Angestellte eines Döner-Ladens hatte zunächst davon berichtet, dass er den Angeklagten aus einem Fenster des Imbisses am Tatort gesehen habe, wie er mit schlagenden oder stechenden Bewegungen auf das Opfer eingewirkt habe. Bei späteren Vernehmungen und auch vor Gericht wurden seine Aussagen zunehmend unpräziser.

Der Staatsanwalt räumte Widersprüche und Einsilbigkeit des Zeugen ein. Den "Kernsachverhalt" aber habe er von Anfang bis Ende gleich beschrieben. Der Mann sei über Monate durch äußere Einflüsse wie Drohungen oder auch die Ermittlungen mürbe gemacht worden. Man müsse aber seine Aussagen in der Gesamtheit bewerten. Überdies seien wichtige Details von anderen Zeugen bestätigt worden. (Lesen Sie hier mehr zu dem Fall und den Erinnerungslücken des Zeugen.)

sen/dpa/AFP



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