Nach tödlichen Schüssen auf Schwarzen Chicagoer Polizisten wegen Vertuschung entlassen

Vor fünf Jahren erschoss der Polizist Jason Van Dyke den 17-jährigen Laquan McDonald. Nun wurden vier Chicagoer Polizisten entlassen, weil sie die Tat ihres Kollegen vertuscht haben.

Polizisten in Chicago während der Proteste im Jahr 2015.
REUTERS

Polizisten in Chicago während der Proteste im Jahr 2015.


Eine Kommission der Chicagoer Polizei hat vier Polizisten wegen Vertuschung einer Tat eines Kollegen aus dem Dienst entlassen. Jason Van Dyke hatte vor fünf Jahren den jungen Afroamerikaner Laquan McDonald in Chicago erschossen.

Im Oktober 2014 wurde der 17-Jährige McDonald von 16 Kugeln getroffen. Nur zwei der Schüsse trafen ihn im Stehen. Polizist Van Dyke feuerte weiter auf den jungen Mann, als der schon sterbend am Boden lag. Die Polizisten beteuerten, das Opfer sei zuvor mit einem Messer auf sie losgegangen.

Das Polizeipräsidium führte interne Ermittlungen gegen die Beamten wegen Pflichtverletzung und Vertuschung durch, berichteten US-Medien. In einem 55-seitigen Bericht schreibt die Polizei: "Das Fehlverhalten der Befragten ist nicht mit dem Polizeidienst vereinbar."

Ein Jahr nach dem Vorfall war ein Video des Tathergangs bekannt geworden. Es zeigt, dass McDonald die Polizisten nicht angegriffen hat und mit dem Messer in der Hand vor ihnen wegläuft, als ihn die erste Kugel trifft.

Die Bedrohung übertrieben

Drei der nun entlassenen Polizisten sollen die "angebliche Bedrohung", die von dem jungen Mann ausgegangen sei, in ihren Aussagen zu dem Vorfall übertrieben haben, berichteten US-Medien. Damit hätten sie die Schüsse rechtfertigen und den Todesschützen decken wollen. Ihr Vorgesetzter habe die Aussagen anschließend nicht ausreichend überprüft, heißt es.

Die Veröffentlichung des Videos hatte bereits 2015 zu Massenprotesten gegen Polizeigewalt geführt: der damalige Polizeichef wurde entlassen. Die Stadt zahlte den Angehörigen des Opfers fünf Millionen Dollar (4,3 Millionen Euro) Schadenersatz.

Der Polizist Jason Van Dyke wurde im Oktober 2018 wegen Totschlags zu sechs Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

muk/dpa



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