16 Schüsse auf schwarzen Teenager Jury spricht Polizist wegen Totschlags schuldig

Jason Van Dyke schoss 16-mal auf den schwarzen Teenager Laquan McDonald. Dafür ist der Polizist aus Chicago nun schuldig gesprochen worden.

Jason Van Dyke wird im Gerichtssaal abgeführt
REUTERS

Jason Van Dyke wird im Gerichtssaal abgeführt


Vier Jahre nach tödlichen Schüssen auf einen schwarzen Jugendlichen in Chicago ist ein Polizist wegen der Tat schuldig gesprochen worden. Ein Geschworenengericht verurteilte den Angeklagten Jason Van Dyke am Freitag wegen Totschlags und 16-facher gefährlicher Körperverletzung - je einmal für jeden Schuss, den er auf den 17-jährigen Laquan McDonald abgegeben hatte. Der 40-Jährige war wegen Mordes angeklagt und hatte auf nicht schuldig plädiert.

Die zwölf Geschworenen befanden Van Dyke nach nur eintägigen Beratungen für schuldig. Er wurde umgehend in Gewahrsam genommen. Wann die Verkündung des Strafmaßes ansteht, ist noch unklar. Die Polizeigewerkschaft, die Van Dyke vertritt, kündigte Berufung an. Der Strafrahmen für Totschlag bewegt sich in dem Fall zwischen vier und 20 Jahren.

Van Dyke hatte den 17-Jährigen im Oktober 2014 erschossen. Erst auf richterliche Anweisung wurden ein Jahr nach der Tat Videoaufnahmen veröffentlicht, die zeigten, dass der weiße Beamte 16 Mal auf den jungen Mann feuerte, der mit einem Messer in der Hand vor ihm weglaufen wollte. Van Dyke feuerte auch noch, als der Teenager wehrlos und sterbend auf der Straße lag. Das Video steht in Widerspruch zur Behauptung Van Dykes und anderer Polizisten, McDonald habe sie mit dem Messer angegriffen.

Jason Van Dyke im Gerichtssaal, während ein Video den Tod Laquan McDonalds zeigt
AP

Jason Van Dyke im Gerichtssaal, während ein Video den Tod Laquan McDonalds zeigt

Das löste in Chicago Massenproteste gegen Polizeigewalt und Rassismus sowie Unruhen aus. Chicagos damaliger Polizeichef wurde entlassen. Die Stadt traf 2015 mit den Angehörigen des Opfers eine Schadensersatzvereinbarung über fünf Millionen Dollar (4,3 Millionen Euro).

Die Familie des Opfers begrüßte den Schuldspruch. "Das ist ein Sieg für Amerika", sagte der Sprecher der Familie, McDonalds Großonkel Marvin Hunter. Er könne sich nicht freuen, wenn jemand ins Gefängnis gehe. Er habe Van Dykes Angehörige gesehen, sagte Hunter. "Seine Frau und seine Tochter haben nicht abgedrückt. Ich konnte den Schmerz dieser Leute sehen. Aber es hat mich gestört, dass sie nicht unseren Schmerz sehen konnten."

Vor dem Geschworenengericht jubelten zahlreiche Menschen bei der Verkündung des Schuldspruches. Tausende Polizisten waren im Einsatz, da neuerliche Proteste befürchtet worden waren. Staatsanwalt Joe McMahon sagte, er hoffe, das Urteil eröffne "ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen den Sicherheitskräften und der Bevölkerung".

Demonstranten in Chicago: "Gesetzeshüter stehen nicht über dem Gesetz"
AFP

Demonstranten in Chicago: "Gesetzeshüter stehen nicht über dem Gesetz"

Van Dyke hatte nach dem Bekanntwerden der Tat gemeinsam mit mehreren Kollegen versucht, den Jugendlichen dafür verantwortlich zu machen. Gegen drei Polizisten wurde Anklage erhoben, weil sie die Todesumstände vertuscht haben sollen. Sie müssen sich wegen Verschwörung, Amtsmissbrauchs und Behinderung der Justiz verantworten.

Die US-Justizbehörden warfen der Polizei in Chicago nach einer einjährigen Untersuchung unverhältnismäßige Härte vor. Der "übermäßige" Einsatz von Gewalt verletze die Verfassung, besonders betroffen seien die von vielen Schwarzen und Hispanics bewohnten Stadtviertel von Chicago, sagte die damalige Justizministerin Loretta Lynch.

ulz/AFP/Reuters/AP



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