R.-Kelly-Anwalt zu Missbrauchsvorwürfen "Er ist ein Rockstar. Er hat nicht einvernehmlichen Sex nicht nötig"

Der Anwalt des wegen Missbrauchs angeklagten US-Sängers R. Kelly verteidigt seinen Mandanten als unschuldig. Der Haftrichter setzte in der ersten Anhörung eine sehr hohe Kaution fest.

R. Kelly vor seiner Festnahme
AP

R. Kelly vor seiner Festnahme


Im Verfahren gegen den amerikanischen R&B-Sänger R. Kelly ist eine Kaution von einer Million Dollar festgesetzt worden. Um auf freien Fuß zu kommen, muss Kelly aber nur ein Zehntel der Kautionssumme hinterlegen, wie Richter John Fitzgerald Lyke Jr. bei der Anhörung in Chicago entschied. Außerdem müsse der Sänger seinen Pass abgeben, wenn er aus der Haft freikommen wolle.

Kelly erschien an diesem Samstag zu einer ersten Anhörung vor Gericht, nachdem er sich am Freitagabend den Behörden in Chicago gestellt hatte. Der Sänger war zuvor wegen sexuellen Missbrauchs in zehn Fällen angeklagt worden. Die Fälle stammen aus den Jahren 1998 bis 2010 und drehen sich um vier teils minderjährige Opfer. Drei der mutmaßlichen Opfer waren zum Zeitpunkt des mutmaßlichen Missbrauchs jünger als 17 Jahre. Kelly hatte alle Vorwürfe gegen ihn stets abgestritten.

Kellys Anwalt Steve Greenberg sagte, es gebe bisher keine Beweise und keine Gründe, die Anschuldigungen für glaubwürdig zu halten. "Er ist ein Rockstar", sagte Greenberg weiter. "Er hat es nicht nötig, nicht einvernehmlichen Sex zu haben."

Video soll Kelly bei Sex mit Minderjähriger zeigen

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 52-Jährigen vor, ein minderjähriges Mädchen missbraucht zu haben, das ihn während seines Gerichtsverfahrens 2008 um ein Autogramm gebeten habe. Kelly habe zwischen Mai 2009 und Januar 2010 mehrfach Sex mit ihr gehabt, berichtet die Zeitung "Chicago Tribune". Sie habe der Polizei ein T-Shirt gegeben, und vorläufige Tests hätten eine DNA-Übereinstimmung mit Kelly gezeigt.

Die Staatsanwaltschaft ist zudem im Besitz eines Videos, das Kelly mutmaßlich beim Sex mit einem Mädchen zeigen soll, das zu dem Zeitpunkt 14 Jahre alt gewesen sein soll. Von einem solchen Video hatte am Freitag schon der Staranwalt Michael Avenatti berichtet. "Nach fortlaufendem sexuellen Missbrauch und sexuellen Übergriffen gegen minderjährige Mädchen über 25 Jahre ist der Tag der Abrechnung für R. Kelly gekommen", schrieb Avenatti bei Twitter, bevor die Staatsanwaltschaft die Anklage verkündete. "Es ist vorbei."

Avenatti ist einer der prominentesten Anwälte der USA und vertrat zuletzt die frühere Pornodarstellerin Stormy Daniels bei ihrer Verleumdungsklage nach einer behaupteten Affäre mit Präsident Donald Trump. Wie er an das Video gelangt war, sagte Avenatti nicht.

Vorwürfe reichen bis in die Neunzigerjahre zurück

Gegen R. Kelly ("I Believe I Can Fly") waren Anfang Januar in einer TV-Dokumentation Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erhoben worden. Diese reichen bis in die Neunzigerjahre zurück. Anwalt Greenberg hatte CNN zufolge gesagt, er glaube, dass die Frauen lügen.

Am Donnerstag hatten zwei weitere Frauen Kelly in New York zudem beschuldigt, sie missbraucht zu haben. Die heute 39 und 40 Jahre alten Frauen sollen zum Zeitpunkt der Übergriffe 15 und 16 Jahre alt gewesen sein. Sie erklärten, der Sänger habe sie bei einem Konzert kennengelernt und ihnen gemeinsamen Sex vorgeschlagen.

Die ersten Vorwürfe gegen R. Kelly wurden vor 20 Jahren bekannt, verurteilt worden ist der dreifache Grammy-Gewinner bisher nicht. Eine Ehe mit der mittlerweile verstorbenen Sängerin Aaliyah, die zum Zeitpunkt des Eheschlusses minderjährig war, wurde annulliert. 2002 wurde Kelly im Zusammenhang mit einem Sexvideo wegen des Verdachts auf Kinderpornografie festgenommen. 2008 wurden aber alle Vorwürfe gegen ihn fallen gelassen.

kko/dpa/AFP



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