DER SPIEGEL

Opfer von Christchurch-Attentat "Das Trauma wird immer in mir leben"

Nach dem Attentat von Christchurch im März 2019 wenden sich Überlebende und Angehörige der Opfer nun vor Gericht an den rechtsextremistischen Mörder.

Der Attentäter von Christchurch betritt ohne erkennbare Regung den Gerichtssaal. Der 29-Jährige Rechtsextremist hat gestanden, im vergangenen Jahr bei einem Terroranschlag auf zwei Moscheen 51 Menschen getötet zu haben. Vor der Urteilsverkündung sollen jetzt diejenigen zu Wort kommen, die jemanden verloren haben oder selbst verwundet wurden.  

Temel Ataçocuğu war an dem Tag des Anschlags in einer der Moscheen - neun Mal wurde er von Kugeln des Attentäters getroffen.  

Temel Ataçocuğu, Überlebender  

"Meine Verletzungen hinterlassen bleibende Behinderungen und Schmerzen. Ich bin jedoch ein starker, hartnäckiger türkischer Mann, der zum Durchhalten erzogen wurde. Das Trauma wird für immer in mir leben. Die Bilder, der Geruch im Inneren der Moschee an diesem Tag verfolgen mich. Ich kann keine schmerzlose Zukunft voraussehen. Eines Tages werde ich an all das denken und stolz auf das sein, was ich überwunden habe, wenn ich frei im Sonnenschein laufe." 

Maysoon Salama, Mutter eines Opfers 

"Ich kann Dir nicht vergeben. Du hast Dir selbst die Erlaubnis gegeben, 51 unschuldige Menschen auszulöschen. Deren einziges Verbrechen ist es in deinen Augen gewesen, Muslim zu sein. Du hast 49 verletzt und die Träume von so vielen unschuldigen Menschen zerstört." 

Das Attentat von Christchurch war das verheerendste Gewaltverbrechen in der jüngeren Geschichte Neuseelands. Medienberichten zufolge hatte der Täter ursprünglich geplant, noch eine dritte Moschee anzugreifen und die Gotteshäuser anschließend anzuzünden.   

Der Angeklagte hatte bereits im vergangenen März auf schuldig plädiert, daher entfällt der eigentliche Prozess gegen ihn. 

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