Mutmaßlicher Besitz von Kinderpornografie Staatsanwaltschaft klagt Christoph Metzelder an

Der frühere Fußballnationalspieler Christoph Metzelder steht unter Verdacht, Kinderpornografie besessen und Dritten geschickt zu haben. Nun sind die Ermittlungen einen Schritt weiter.
Christoph Metzelder (Archiv)

Christoph Metzelder (Archiv)

Foto: Peter Hartenfelser / imago images

Seit einem knappen Jahr geht die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft gegen Christoph Metzelder vor - nun hat die Behörde nach eigenen Angaben Anklage gegen den Ex-Fußballprofi erhoben. Nach SPIEGEL-Informationen wird ihm der Besitz von Bildmaterial vorgeworfen, auf dem Kinder missbraucht werden; er soll diese auch Dritten verschafft haben.

Die Ermittler machten auf Anfrage keine Angaben zu den Vorwürfen, in der Mitteilung ist zudem lediglich von einem "ehemaligen Fußballnationalspieler" die Rede. Metzelders Verteidiger und sein Medienanwalt ließen Anfragen des SPIEGEL zu den ihm vorgeworfenen Vergehen unbeantwortet.

Die Vorwürfe waren im vergangenen September bekannt geworden. Damals durchsuchten Ermittler zwei Adressen Metzelders, beschlagnahmten unter anderem ein Handy und einen PC.

Metzelder soll die Aufnahmen nicht nur besessen, sondern mindestens einer Frau kinderpornografische Bilder geschickt haben. Einen Hinweis darauf bekamen die Ermittler nach eigenen Angaben von der "Bild"-Zeitung, die auch zuerst über die Anklageerhebung berichtet hat. Diese habe einen Sachverhalt gemeldet, bei dem "sofort strafrechtliche Ermittlungen einzuleiten waren", teilte ein Sprecher der Hamburger Polizei damals mit.

Zunächst lief das Verfahren daher in der Hansestadt, später übernahm Düsseldorf, wo Metzelder wohnt. Dort befinde sich der "vorrangige mutmaßliche Tatort", hatte eine Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft damals mitgeteilt.

Auch gegen eine Frau, die angibt, Kindesmissbrauchsabbildungen von Metzelder bekommen zu haben, läuft ein Verfahren. Ihr wird laut Staatsanwaltschaft Hamburg vorgeworfen, mehrere kinderpornografische Bilddateien besessen zu haben. Statt direkt zur Polizei, sei sie mit dem Material zunächst zu Dritten gegangen. 

Zurückhaltung der Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf begründet ihre Zurückhaltung in ihrer Mitteilung mit einem Beschluss des Verwaltungsgerichts Düsseldorf  vom August. Damals wollte sich der Rechtsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags in nicht öffentlicher Sitzung mit den Ermittlungen gegen Metzelder befassen.

Die Anwälte Metzelders klagten dagegen, weil sie befürchteten, dass Details über das Strafverfahren öffentlich würden. Das Verwaltungsgericht entschied, dass eine Befassung zulässig sei, wenn die Mitglieder des Ausschusses mit einer Zweidrittelmehrheit Vertraulichkeit beschließen.

Dass sich die Staatsanwaltschaft nun auf diesen Beschluss beruft, sorgt für Verwunderung beim Verwaltungsgericht. Denn darüber, was die Ermittler Journalisten zu dem Verfahren mitteilen dürfen, hat die Kammer gar nicht entschieden. Ein Gerichtssprecher formuliert es so: "Der Beschluss des Verwaltungsgerichts enthält unmittelbar keine Aussage zu Umfang und Grenzen der Informationspflicht der Staatsanwaltschaft gegenüber der Presse".

"Die Akte liegt bei uns"

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Düsseldorf sagte dem SPIEGEL, auch wenn man selbst nicht Teil des Verfahrens gewesen sei, gehe es bei der Entscheidung des Gerichts im Kern um den Schutz der Persönlichkeitsrechte. An diese müsse sich auch die Staatsanwaltschaft halten. Im Lichte des knapp zwei Wochen alten Beschlusses des Verwaltungsgerichts habe man sich entschieden, nur die Anklage mitzuteilen.

Im Fall Metzelder ist nun das Amtsgericht Düsseldorf am Zug. Ein Sprecher bestätigte, dass die Anklage eingegangen sei. "Die Akte liegt bei uns. Das Verfahren ist jetzt bei uns." Das Gericht muss nun über die Zulassung der Anklage entscheiden.

jpz/dpa