Chronologie Der Fall Marco Weiss

Nach acht Monaten ist der 17-jährige deutsche Schüler Marco aus türkischer Untersuchungshaft freigelassen worden. Er darf die Türkei verlassen. Der Prozess soll im April fortgesetzt werden. Hier eine Übersicht über den Verlauf des Falls.

11. April 2007: Marco W. ist mit seinen Eltern im Osterurlaub im türkischen Urlaubsort Side. Dort lernt er die junge Engländerin Charlotte kennen. Nach seinen Angaben hat sie ihm gesagt, sie sei 15 Jahre alt. Später stellt sich heraus, dass sie erst 13 ist. Im Hotelzimmer des Mädchens kommt es zum Sex.

12. April: Die Mutter des Mädchens erstattet Strafanzeige wegen sexuellen Missbrauchs. Charlotte lässt sich von einem Gynäkologen untersuchen. Marco W. wird festgenommen und kommt in Antalya in Untersuchungshaft. Er bestreitet den Vorwurf.

23. Juni: Der Fall kommt an die Öffentlichkeit. Die Bundesregierung fordert die Türkei offiziell auf, den 17-Jährigen aus der Haft zu entlassen.

24. Juni: Marcos Eltern appellieren an die türkische Justiz, ihren Sohn freizulassen.

25. Juni: Außenminister Frank-Walter Steinmeier und der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff setzen sich persönlich für den Deutschen ein.

26. Juni: Der türkische Staatsminister Ali Babacan lehnt ein Eingreifen seiner Regierung ab. Die türkische Gemeinde in Deutschland ruft dazu auf, die staatliche Gewaltenteilung zu beachten. Zugleich setzt sie sich für eine Aussetzung der Haft ein.

Die Zeitung "Hürriyet" veröffentlicht ein Interview, in dem Marco W. seine Unschuld beteuert und Charlotte auffordert, die Wahrheit zu sagen und die Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs gegen ihn zurückzuziehen.

27. Juni: Die Staatsanwaltschaft Lüneburg leitet ein Ermittlungsverfahren gegen Marco W. wegen Verdachts des sexuellen Kindesmissbrauchs ein. Sie sieht aber keine Möglichkeit, in das türkische Verfahren einzugreifen.

6. Juli: In Antalya beginnt der Prozess gegen den Schüler. Die Verhandlung wird aber schon kurz nach der Eröffnung vertagt.

8. August: Ein Arzt, der die 13-Jährige untersuchte, bestätigt deren Jungfräulichkeit. Der Prozess wird erneut vertagt, Marco W. bleibt in Haft.

10. August: Der inhaftierte 17-Jährige appelliert in einem Brief an Charlotte und deren Mutter, ihre Strafanzeige zurückzuziehen.

6. September: Das Gericht in Antalya vertagt den Prozess erneut und beschließt die Fortdauer der Haft. Nach Angaben von Marcos Anwalt wartet das Gericht weiter auf die Aussage der 13-Jährigen, die auf dem Weg eines Rechtshilfe-Ersuchens in Großbritannien als Zeugin vernommen werden soll. Der Vortrag eines Gutachtens zur Frage der Untersuchungshaft vor Gericht wird nicht zugelassen.

28. September: Wieder wird der Prozess vertagt, weil die Aussage Charlottes nicht vorliegt.

1. Oktober: Marcos Verteidiger legen Beschwerde gegen die Entscheidung des Gerichts zur Fortdauer der Untersuchungshaft ein.

2. Oktober: Marcos Eltern beenden das Mandat für die Rechtsanwälte Jürgen Schmidt und Nikolaus Walther, weil sie die Interessen des Jugendlichen nicht ausreichend vertreten hätten.

8. Oktober: Das Gericht in Antalya weist eine Haftbeschwerde zurück.

26. Oktober: Das Gericht vertagt den Prozess auf den 20. November. Marco W. muss in Haft bleiben. Sein Anwalt will dagegen Beschwerde einlegen und bei einer Ablehnung den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg anrufen.

20. November: Der deutsche Schüler muss weiter in türkischer Untersuchungshaft bleiben.

22. November: Die Bundesregierung will eine Unterstützung einer eventuellen Klage von Marco W. vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte prüfen. Auch die EU-Kommission verfolgt den Fall sehr genau, was seine menschenrechtliche Dimension angeht.

26. November: Eine weitere Haftbeschwerde wird abgelehnt.

27. November: Die Abschrift und Übersetzung der Aussage Charlottes liegt dem türkischem Gericht vor.

14. Dezember: Marco W. wird aus der Untersuchungshaft entlassen.

Der Prozess wird aber fortgesetzt. Inzwischen ist auch die Beschwerde des Anwalts beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wegen der langen Dauer der Untersuchungshaft eingegangen.

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