Chronologie Die verzweifelte Suche nach Madeleine

Seit Monaten schon fehlt von der vier Jahre alten Madeleine McCann jede Spur. Portugiesische und britische Ermittler suchen bislang erfolglos nach dem Mädchen, das aus einer Ferienwohnung in Praia da Luz verschwand. SPIEGEL ONLINE zeigt eine Chronologie der Ereignisse.


28. April 2007: Die Familie McCann erreicht den portugiesischen Ferienort Praia da Luz.

3. Mai 2007, 18 Uhr: Kate und Gerry McCann bringen ihre drei Kinder, Madeleine, 3, und die beiden zwei Jahre alten Zwillinge Sean und Amelie ins Bett. Maddie sagt laut "Times", es sei der "beste Tag überhaupt" gewesen.

19 Uhr: Das Ehepaar geht mit Freunden in einem 50 Meter von dem Ferienhaus entfernten Tapas-Restaurant essen.

21 Uhr: Gerry McCann sieht laut "Times" nach seinen Kindern.

Zwischen 21 und 22 Uhr: Dem Bericht zufolge schauen die Freunde abwechselnd nach den Kleinen. Doch keiner von ihnen betritt Madeleines Zimmer, um sie nicht zu wecken.

21.30 Uhr: Jane Tanner, die mit den McCanns zu Abend isst, beobachtet laut "Times", wie ein Mann Kinderkleidung in das Ferienhaus der McCanns trägt. Sie denkt sich nichts dabei.

22 Uhr: Gerry und Kate McCann kehren in ihr Appartement zurück und stellen fest, dass Maddie verschwunden ist. Das Fenster ihres Zimmers steht offen.

Kurz nach 22 Uhr: Gäste und Personal des Ferienclubs beginnen nach Madeleine zu suchen. gleichzeitig wird die Polizei alarmiert. In den frühen Morgenstunden stellen die freiwilllgen Helfer ihre Nachforschungen zunächst ein.

4. Mai: Hunderte Freiwillige und Polizisten durchkämmen die Umgebung. Handzettel und Plakate mit dem Foto Madeleines werden verteilt, britische Polizisten und Privatdetektive treffen ein. Spanische Behörden und Flughäfen werden benachrichtigt, falls das Mädchen über das Nachbarland fortgebracht werden sollte.

5. Mai: Die Ermittler geben bekannt, dass sie von einer Entführung ausgehen.

7. Mai: Madeleines Mutter wendet sich im Fernsehen an die mutmaßlichen Entführer. "Bitte geben Sie uns unser kleines Mädchen zurück. Tun Sie ihr nicht weh, machen Sie ihr keine Angst."

8. Mai: Die Polizei vermutet eine Schieberbande hinter der Tat, die Kinder im Ausland gegen hohe Geldbeträge an Adoptiveltern vermittelt. Es ist auch die Rede von einem Pädophilenring. Ein Phantombild wird angefertigt: Vor der Entführung hat ein Zeuge zwei Männer und eine Frau dabei beobachtet, wie sie fremde Kinder fotografierten. Der Zeuge hat einen der Männer mit einem Handy abgelichtet.

9. Mai: Die Polizei untersucht die Aufnahmen einer Überwachungskamera an einer Tankstelle. Auf den Bildern sind eine Frau und ein Mädchen zu sehen, auf das Madeleines Beschreibung passt.

10. Mai: Die Polizei teilt in einer Pressekonferenz mit, dass die Suche in der Gegend heruntergefahren wird. Sie veröffentlichen ein Foto von einem Schlafanzug, der genauso aussieht wie der, den Maddie zum Zeitpunkt ihres Verschwindens trug.

11. Mai: Die Polizei stellt die Suche in der Wohnung ein. Die Fußballstars David Beckham und Cristiano Ronaldo fordern alle auf, die etwas wissen, sich zu melden. In den nächsten Tagen sammeln Prominente wie "Harry Potter"-Autorin Joanne K. Rowling, Virgin-Chef Richard Branson und Fußballer Wayne Rooney umgerechnet 3,7 Millionen Euro als Belohnung für Hinweise. Dies ist die höchste Summe, die jemals in einem derartigen Fall auf sachdienliche Hinweise ausgesetzt wurde.

12. Mai: Madeleines vierter Geburtstag.

14. Mai: Maddies Vater sagt, er gehe davon aus, dass es seiner Tochter gut gehe und sich jemand um sie kümmere.

15. Mai: Das Haus des Briten Robert M., das in der Nähe der Ferienwohnung der McCanns liegt, wird durchsucht. Die portugiesische Polizei bestätigt, dass der 33-jährige M. ein Verdächtiger ist. Er hatte nach dem Verschwinden von Maddie für die Polizei als Dolmetscher bei der Befragung von Zeugen gearbeitet.

17. Mai: Ein russischer Computer-Spezialist wird als Zeuge verhört. Sergej M., 22, hat nach der Entführung einen Anruf von Robert M. bekommen. Hausdurchsuchung bei dem Russen, der seit 2000 in Portugal leben und M.s Geschäftspartner sein soll. Der Russe sagt: "Ich bin unschuldig." Madeleines Eltern richten die Suchwebsite findmadeleine.com ein.

22. Mai: Gerry McCann kehrt für einen Tag nach England zurück in das Haus der Familie. Die Familie will an der Algarve bleiben, bis das Kind gefunden ist - tot oder lebendig.

23. Mai: Zwei Personen aus dem Bekanntenkreis des verdächtigen britischen Maklers werden verhört. Es handelte sich um dessen deutsche Geschäftspartnerin und ihren portugiesischen Mann. Der Verdächtige erleidet einen Schwächeanfall.

25. Mai: Die portugiesischen Ermittler veröffentlichen die Beschreibung eines Verdächtigen: Ein 1,70 Meter großer Mann von durchschnittlichem Körperbau, weißer Hautfarbe, Alter zwischen 35 und 40 Jahren. Der Verdächtige war von einer Freundin der Familie McCann gesehen worden, als diese auf dem Weg zum Abendessen mit Madeleines Eltern war.

26. Mai: Die Eltern wenden sich in einem Interview an die Öffentlichkeit und sprechen über ihre Schuldgefühle.

30. Mai: Papst Benedikt XVI. empfängt die Eltern auf dem Petersplatz in Rom und segnet ein Foto des verschwundenen Mädchens. In den Tagen danach gehen sie auf Europareise, um in Spanien, Deutschland, den Niederlanden und Marokko um Aufmerksamkeit zu werben.

1. Juni: Die portugiesische Polizei findet die DNA einer "mysteriösen sechsten Person" in dem Zimmer, aus dem Madeleine entführt wurde. Das Genmaterial stimmt mit keinem der McCanns und auch nicht mit dem einzigen bisher genannten Verdächtigen überein.

6. Juni: Die McCanns bitten in Deutschland um Hilfe bei der Suche nach ihrer Tochter. Auf die Frage einer Journalistin, wie sie auf Vorwürfe reagieren, etwas mit Maddies Verschwinden zu tun zu haben, antworten die beiden, sie hätten für solche Anschuldigungen kein Verständnis.

8. Juni: Ein anonymer Anrufer meldet sich bei der spanischen Polizei und behauptet, mehr über das Verschwinden des Mädchens zu wissen. Die Fahnder halten ihn für glaubwürdig, die Spur verliert sich allerdings später.

11. Juni: Gegen den Chefermittler im Fall Maddie werden Vorwürfe laut, er habe in einem früheren Fall Zeugenaussagen mit Gewalt erzwungen, Beweismittel unterschlagen und Unterlagen gefälscht. Trotz der Vorwürfe bleibt er im Amt.

13. Juni: Bei einer niederländischen Zeitung geht ein anonymes Schreiben ein, in dem von dem Tod des Kindes die Rede ist. Die Polizei nimmt den Brief offenbar ernst. Die Ermittler suchen an der Stelle, wo das Mädchen angeblich begraben liegen soll, nach einer Leiche.

15. Juni: Nach drei Tagen bricht die Polizei die Suche nach Madeleine im Buschland nahe der portugiesischen Algarve-Küste ab. Ein anonymer Hinweis hatte das Gebiet als möglichen Fundort ihrer Leiche ausgewiesen.

22. Juni: Ein Zeuge will Maddie mehrfach auf Malta gesehen haben. Er sei überzeugt, er habe das Mädchen erkannt, sagt er aus. Sie soll eine schwarze Perücke getragen haben. Eine Suche bleibt ergebnislos.

28. Juni: Die spanische Polizei nimmt einen Italiener und eine Portugiesin fest. Sie hatten den Eltern der verschwundenen Madeleine Informationen über den Verbleib des Kindes angeboten, es aber offenbar nur auf die Belohnung abgesehen. Ihre Verbindung zur tatsächlichen Entführung ist fraglich.

3. Juli: Eltern protestieren gegen den Maddie-Spot, der vor dem Animationsfilm "Shrek 3" im Kino läuft. Die McCanns versuchen noch immer, über Aufmerksamkeit mehr Hinweise zu finden. Der aufwühlende Spot allerdings mache anderen Kindern Angst, kritisieren Eltern.

6. Juli: Abermals geht ein Verbrecher der Polizei ins Netz. Niederländische Fahnder nehmen einen Mann fest, der die Eltern der Vierjährigen erpressen wollte. Er hatte ihnen erfundene Informationen über den Aufenthaltsort ihrer Tochter angeboten - aus Langeweile.

23. Juli: Eine Zeitung berichtet, die Ermittler gingen davon aus, dass Madeleine von Entführern auf einem Boot außer Landes gebracht worden sei. Augenzeugen hätten einen Mann und eine Frau gesehen, die Stunden nach dem Verschwinden Maddies ein blondes Mädchen zum Yachthafen von Lagos getragen hätten.

3. August: Eine Augenzeugin will die Vierjährige in der belgischen Kleinstadt Tongeren gesichtet haben. Madeleine habe dort in Begleitung eines Paares in einem Café gesessen. Nun fahndet die Polizei mit einem Phantombild nach den Unbekannten.

5. August: Das Haus des Verdächtigen Robert M. wird erneut durchsucht. Ergebnisse der Aktion werden nicht veröffentlicht. Unbestätigten Angaben zufolge allerdings verlief die Suche ergebnislos.

6. August: Drei Monate nach Maddies verschwinden finden britische Fahnder Blutspritzer in der Ferienwohnung der McCanns an der Algarve. Von wem das Blut stammt, ist noch unklar. Portugiesische Fahnder durchsuchen Autos, die Familie und Freunde des Kindes benutzt haben.

8. August: Belgische Zeitungen melden, der DNA-Test an einer Limonadenflasche, die aus einer Raststätte im belgischen Tongeren stammt, sei negativ. Eine Zeugin wollte ein Mädchen gesehen haben, das sie für Madeleine hielt. Das Kind hatte aus der Flasche getrunken. Dem Bericht zufolge stammen die DNA-Spuren jedoch nicht von dem verschwundenen Mädchen.

6. September: Die portugiesischen Ermittler vernehmen Kate McCann, Maddies Mutter, elf Stunden lang - als Zeugin, wie die Polizei und ein Anwalt der 39-Jährigen schließlich übereinstimmend mitteilen.

7. September: Britische Zeitungen sowie die BBC berichten, dass die Eltern der vermissten Vierjährigen im Laufe des Tages zu Verdächtigen in dem Fall erklärt werden sollen.

ffr/jdl



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