Chronologie Wenn Kinder vernachlässigt werden

In den vergangenen Jahren sorgten immer wieder Fälle von vernachlässigten und unterernährten Kindern für Aufsehen. Häufig spielen sich solche Dramen in schwierigen sozialen Verhältnissen ab, die Eltern sind oft überfordert.


Februar 2004: Im schleswig-holsteinischen Hanerau-Hademarschen verhungert ein elf Monate altes Baby, die Eltern geben an, mit ihren zwei Kindern überfordert gewesen zu sein. Die mit im Haus lebenden Großeltern haben vom bedrohlichen Zustand ihres Enkelkindes nichts mitbekommen. Die Eltern kommen für mehrere Jahre ins Gefängnis.

Juni 2004: In der Kühltruhe der Eltern entdecken Ermittler die Leiche des sechsjährigen Dennis aus Cottbus. Die Mutter hatte die Leiche zweieinhalb Jahre lang in der Kühltruhe versteckt. Sie hatte noch weitere zehn Kinder. 2006 werden die Eltern des Jungen wegen Mordes zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt, sie legen Revision ein. Der Bundesgerichtshof wandelte das Urteil im September 2007 in Totschlag um, Dennis' Mutter muss nun 13 Jahre im Gefängnis verbringen, der Vater elf.

Januar 2005: Bei einer Zwangsräumung in Düsseldorf kommt der Tod der dreijährigen Pervin ans Licht. Sie war bereits im Oktober 2002 verhungert. Die Mutter gesteht später, die Tochter nach ihrem Tod zerstückelt und zwei Jahre lang auf dem Balkon gelagert zu haben.

März 2005: In Hamburg erstickt die siebenjährige Jessica qualvoll an Erbrochenem. Das extrem unterernährte Mädchen war von ihren Eltern in einem dunklen, ungeheizten Raum eingesperrt worden. Dort hatte es aus Hunger die Tapete von den Wänden gekratzt und Teppichflusen gegessen. Die Katze des Paares war dagegen gut ernährt und gepflegt.

Frühjahr 2006: Eingewickelt in eine Mülltüte entdecken Ermittler die stark verweste Leiche des zweijährigen Benjamin in Schlagenthin (Sachsen-Anhalt). Der Junge war ein Jahr zuvor an Unterernährung gestorben. Die arbeitslosen Eltern haben weitere fünf Kinder im Alter von einem bis acht Jahren.

Dezember 2006: Der knapp zehn Monate alte Leon aus Sömmerda in Thüringen verdurstet, weil seine Mutter ihn vier Tage lang allein in der Wohnung zurückgelassen hat. Sie sei überfordert gewesen, sagt die Frau später. Die zweijährige Schwester des Jungen kann in letzter Minute gerettet werden.

Frühjahr 2007: Im hessischen Ort Bromskirchen verhungert und verdurstet die 14 Monate alte Jacqueline. Das Kind wiegt vor ihrem Tod nur noch sechs Kilogramm, etwa halb so viel wie in diesem Alter üblich. Die Mutter bringt das Kind noch selbst zu einer Ärztin, doch es ist bereits tot. Beide Eltern sind drogensüchtig.

hei/dpa



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