Mit elf Jugendlichen NRW startet Aussteiger-Programm für Clan-Mitglieder

"Der Einstieg in den Clan ist in der Regel die Geburt": Trotz dieser engen Bindung hat die Polizei in Nordrhein-Westfalen nun ein Aussteigerprogramm für Mitglieder krimineller Familien begonnen.
Polizeieinsatz im Clan-Milieu in Bochum 2019 (Symbolbild)

Polizeieinsatz im Clan-Milieu in Bochum 2019 (Symbolbild)

Foto: Bernd Thissen/ dpa

2019 gestand Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul öffentlich ein, als Staat den Kampf gegen kriminelle Familienclans in seinem Bundesland "verpennt" zu haben. Er kündigte an, gegen die Strukturen vorgehen zu wollen - und dabei ist neben Razzien und Strafverfolgung nun ein weiterer Schritt getan.

Mit einem Aussteigerprogramm für Angehörige krimineller Familienclans soll Kindern und Jugendlichen aus polizeibekannten Clans ein anderes Leben ermöglicht werden. Das nach Angaben des Innenministeriums bundesweit einmalige und am 1. April gestartete Projekt hat den Angaben zufolge bislang elf Teilnehmer.

"Klassische Aussteigerprogramme funktionieren in diesem Bereich nicht; sie müssen 'neu gedacht' werden", heißt es in dem Bericht des Innenministeriums: "So gibt es zum Beispiel, anders als in extremistischen Bereichen, keine Einstiegsprozesse in Familienclans, an denen man präventiv ansetzen könnte, denn der Einstieg in den Clan ist in der Regel die Geburt."

Bestehende Präventionsprojekte ausgebaut

Das Programm fokussiere sich daher auf Kinder und junge Jugendliche, die mit ersten Straftaten auffällig wurden. Als Vorbild diene das Präventions-Projekt "Kurve kriegen" für junge Straftäter. An den fünf Standorten Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen und Recklinghausen seien dafür die "Kurve kriegen"-Teams um speziell für den Themenbereich Clankriminalität geeignete Fachkräfte erweitert worden.

"Aufgrund der erst kurzen Teilnahmedauer sind derzeit noch keine belastbaren Aussagen zu Entwicklungen, Verläufen und insbesondere zur Nachhaltigkeit möglich", so das Innenministerium. Ein erster Erfolg sei aber bereits die Teilnahme der Jugendlichen - denn die beruhe auf Freiwilligkeit und zeige, "dass Kinder und Eltern sich auf diese, für sie völlig neue Form der Herangehensweise, einlassen".

apr/dpa
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