Ohio Cleveland-Entführer auch wegen Vergewaltigung angeklagt

Vierfache Entführung, Vergewaltigung in drei Fällen: Die Staatsanwaltschaft hat jetzt Anklage gegen den mutmaßlichen Kidnapper Ariel C. erhoben. Seine zwei Brüder wurden zunächst nicht beschuldigt.

AP/dpa

Cleveland - Zwei Tage nach der spektakulären Befreiungvon drei jahrelang vermissten Frauen in Cleveland ist der Hauptverdächtige Ariel C. der vierfachen Entführung und Vergewaltigung in drei Fällen angeklagt worden. Ariel C. werde vorgeworfen, Amanda Berry, Gina DeJesus und Michelle Knight während ihrer jahrelangen Gefangenschaft vergewaltigt zu haben, sagte Staatsanwalt Victor Perez am Mittwoch in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio. Die Freiheitsberaubung von Berrys kleiner Tocher, die während der Gefangenschaft zur Welt kam, werde in der Anklage als vierter Entführungsfall behandelt. Ein Vaterschaftstest solle klären, ob C. das Kind gezeugt habe. Die Ermittler gingen derzeit nicht von weiteren Opfern aus.

Die Ermittlungen in dem Fall seien längst nicht abgeschlossen, teilten Behördenvertreter weiter mit. So müsse noch geklärt werden, wie oft die festgehaltenen Frauen schwanger gewesen sein könnten und warum es zu mutmaßlichen Fehlgeburten kam. Nach Polizeiangaben wurden die Frauen phasenweise mit Seilen und Ketten gefesselt und im Keller eingekerkert.

Ariel C. werde am Donnerstag vor Gericht zur offiziellen Anklageverlesung erscheinen, sagte der zuständige Staatsanwalt am Mittwoch in Cleveland. Ariel C.s zwei Brüder, die nach der Befreiung der Frauen am Montag ebenfalls festgenommen worden waren, wurden demnach nicht beschuldigt. Es gebe derzeit keine Beweise, dass die Brüder an den Taten beteiligt gewesen seien, sagte Perez.

Emotionale Momente bei der Heimkehr der Frauen

Rund zehn Jahre nach ihrem Verschwinden kehrten die entführten Frauen am Mittwoch zu ihren Familien zurück. Die 27-jährige Amanda Berry fuhr in einer Geländelimousine vor dem Haus der Schwester in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio vor. Berry und ihre sechsjährige Tochter wurden von der Schwester, Beth Serrano, willkommen geheißen.

Serrano trat in diesem emotionalen Moment für die heimgekehrte Berry vor die Presse. Sie bedankte sich für die Unterstützung und Hilfe, die sie durch die Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren erfahren habe, sagte aber, sie bitte um den Schutz der Privatsphäre, "damit meine Schwester und meine Nichte und ich Zeit zur Erholung haben".

Das Haus der Schwester war am Mittwoch mit Blumen und Dutzenden Ballons geschmückt. "Welcome home" und "Wir haben die Hoffnung nie aufgegeben, Mandy", hieß es auf Spruchbändern.

Unter dem Jubel von Nachbarn und Freunden kehrte nur wenige Stunden später auch das 23 Jahre alte Entführungsopfer Gina DeJesus heim. "Gina, Gina"-Rufe wurden laut, als die junge Frau am Mittwoch aus einem Auto in ihr Elternhaus in Cleveland gebracht wurde - das Gesicht mit der Kapuze einer Jacke verhüllt.

Das dritte Entführungsopfer, die 32-jährige Michelle Knight, soll noch im Krankenhaus sein, ihr Zustand sei aber gut, hieß es.

Berry, DeJesus und Knight waren am Montag befreit worden, nachdem Berry einen Nachbarn alarmiert hatte. Sie waren alle drei in den Jahren 2002 bis 2004 bei verschiedenen Gelegenheiten spurlos verschwunden.

Die ausführliche Befragung der drei Opfer wurde den Polizeiangaben zufolge zunächst verschoben, damit die jungen Frauen ihre Familien wiedertreffen können.

"Es gab Orte, an die wir nie gehen durften"

Auch die Angehörigen des Verdächtigen meldeten sich am Mittwoch zu Wort. Ariel C.s Schwager Juan A. sagte, die Familie sei so unerwartet von den Ereignissen getroffen worden wie jeder andere in ihrer Umgebung auch. Ariel C. war Schulbusfahrer, machte Musik in einer Latin-Band und wirkte auf seine Umgebung freundlich. Der Schwager gab jedoch an, schon seit den neunziger Jahren nicht mehr bei Ariel C. zu Hause gewesen zu sein.

Ariel C.s Sohn Anthony erinnert sich: "Es gab Orte, an die wir nie gehen durften. Der Keller war verschlossen, der Dachboden, die Garage." Er ist nach eigenen Angaben schon vor längerer Zeit zu Hause ausgezogen und habe nur noch wenig Kontakt zu seinem Vater gehabt.

Am Mittwoch waren erste Details über die Umstände der Gefangenschaft der drei Frauen bekannt geworden. Die Ermittler entdeckten Ketten und Seile in dem Haus und bestätigten, dass die Opfer gefesselt worden waren. Die Polizei muss sich trotz der Euphorie über die gelungene Rettung der drei Frauen derzeit die Frage gefallen lassen, wie es sein konnte, dass sie so lange unentdeckt blieben.

Nachbarn gaben an, die Polizei mehrmals auf eigenartige Vorgänge in dem Horrorhaus in Cleveland aufmerksam gemacht zu haben, wie Medien am Mittwoch berichteten. Die Polizei von Cleveland wies die Vorwürfe zurück. Sie teilte mit, die Frauen seien in dem Haus mit Fesseln und Stricken festgebunden gewesen und nur selten rausgelassen worden, meist kurz in den Garten.

sun/dpa/AFP/AP

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