Colonia Dignidad Ermittlungen gegen 72-Jährigen eingestellt

Die Staatsanwaltschaft Münster hat Ermittlungen gegen einen Mann eingestellt, der in der Sektensiedlung Colonia Dignidad an Verbrechen beteiligt gewesen sein soll.


Gegen einen 72-jährigen Deutschen, der ehemaliger Bewohner der berüchtigten Sektensiedlung Colonia Dignidad in Chile ist, wird nicht mehr wegen Beihilfe zum Mord ermittelt. Die Ermittlungen seien eingestellt worden, teilte die Staatsanwaltschaft Münster mit.

Dem in Gronau in Nordrhein-Westfalen lebenden Mann war vorgeworfen worden, 1976 an der Ermordung mindestens eines chilenischen Oppositionellen während der Herrschaft von Diktator Augusto Pinochet mitgewirkt zu haben.

Der Betroffene hatte dies als Verleumdung und Rufmord zurückgewiesen. Er sei selbst Opfer des berüchtigten Sektenführers Paul Schäfer geworden und habe seiner Führungsriege nicht angehört. Zwar habe er auf Befehl Schäfers einen Gefangenen in einem Keller bewacht und versorgt. Von Erschießungen habe er aber nichts mitbekommen.

Die Staatsanwaltschaft in Münster hatte dem 72-Jährigen nichts Gegenteiliges beweisen können. Abgesehen von der Beihilfe zum Mord wären alle anderen denkbaren Straftaten seit 1976 ohnehin verjährt. Es sei nicht mehr zu klären gewesen, wann und wo die Oppositionellen ermordet wurden, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Die von deutschen Auswanderern gegründete Siedlung Colonia Dignidad liegt rund 350 Kilometer südlich von Santiago de Chile. Eine deutsche Sekte war Anfang der 1960er Jahre aus Siegburg bei Bonn dorthin ausgewandert. Gründer Paul Schäfer war in Chile zu 20 Jahren Haft verurteilt worden und 2010 gestorben.

kko/dpa



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