Columbine-Dokumente Tagebücher des Todes

Tausend Seiten voller Grauen, Tod und Hass: US-Ermittler haben die Aufzeichnungen der beiden Jugendlichen veröffentlicht, die vor sieben Jahren ein Blutbad an der Columbine High School angerichtet haben. Die Dokumente enthalten Pläne, Einkaufslisten und ekelerregende Zeichnungen.


Denver - In den Unterlagen finden sich Terminplaner und Tagebuchaufzeichnungen der Täter Eric Harris und Dylan Klebold. Die Sammlung strotzt von Gewaltverherrlichung. "Die Hölle auf Erden", hat Dylan 1998 in das Jahrbuch seines Freundes Eric geschrieben. Daneben ist eine Zeichnung zu sehen, die einen bewaffneten Soldaten ohne Kopf zeigt. "So viele Menschen müssen sterben", hat er hinzugefügt.

Zeichnungen von Waffen und Gewalt-Allegorien sind ebenso darunter wie eine "Todesliste" mit den Namen derer, die die beiden töten wollten. Die Namen hat die Polizei allerdings vor der Veröffentlichung geschwärzt. Die Beamten hatten die Dokumente im Zuge der Ermittlungen zu dem Massaker sichergestellt. Bei der Bluttat an der Columbine-Schule in Littleton im US-Bundesstaat Colorado hatten Eric Harris, 18, und Dylan Klebold, 17, am 20. April 1999 zwölf Mitschüler und einen Lehrer erschossen und anschließend Selbstmord begangen. Bewaffnet waren sie mit Gewehren und selbstgebastelten Sprengsätzen.

Sechs Monate vor der verheerendsten Schulschießerei in der US-Geschichte schreibt Eric Harris: "Wenn ich schließlich anfange zu töten, denk dran, dann gibt es nur noch ungefähr hundert Leute in der Schule, deren Tod ich nicht will, der Rest MUSS VERDAMMT NOCHMAL STERBEN!" Weiter heißt es in dem Tagebuch: "Ich habe das Ziel, so viel Schaden wie möglich anzurichten, und ich darf mich nicht ablenken lassen von Gefühlen der Sympathie, Gnade oder sonst was." In Notizen sind die Zutaten des Horrors penibel vermerkt, "Nägel besorgen", "Benzinkanister besorgen", "Zünder fertigmachen".

Der Tag des Attentats ist ebenfalls in Kalendereinträgen festgehalten. Um 6 Uhr morgens ist ein erstes Treffen der beiden Komplizen vermerkt. Um 10.30 Uhr: "bereitmachen". Um 11.12 Uhr: "Waffen anlegen". 11.16 Uhr: "HAHAHA."

Die Unterlagen sind umfangreich und aufschlussreich, dennoch fordert einer der ehemaligen Klassenkameraden der Attentäter mehr. Unveröffentlicht sind bislang mehrere Videoaufnahmen und Tonbändern, die Harris und Klebold gemacht haben. Der zuständige Sheriff hat es aber strikt abgelehnt, das Material freizugeben. Die Gefahr, dass andere sich ein Beispiel an den beiden Jugendlichen nehmen, sei zu groß.

ffr/AFP/AP



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