Verbotene rechtsextreme Gruppe Das ist "Combat 18"

In Großbritannien zündeten ihre Anhänger Bomben, nahe Hamburg horteten sie Waffen - nun ist "Combat 18" in Deutschland verboten. Wie entstand die militante Neonazigruppe, was machte sie so gefährlich?
Sichergestellte Waffen der kriminellen Neonazigruppe "Combat 18": Eine der bedeutendsten rechtsextremen Organisationen

Sichergestellte Waffen der kriminellen Neonazigruppe "Combat 18": Eine der bedeutendsten rechtsextremen Organisationen

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Horst Pfeiffer/DPA

Es ist ein schlichtes Zahlenrätsel, aber es verrät viel über das Selbstverständnis dieser Gruppe: Die Ziffern im Namen von "Combat 18" stehen für den ersten und achten Buchstaben im Alphabet: AH - ein Kürzel für den Namen Adolf Hitler.

Nun hat das Bundesinnenministerium die selbst ernannte "Kampfgruppe Adolf Hitler" verboten. Gegründet wurde sie 1992 in Großbritannien als Saalschutz der rechtsradikalen British National Party. "Combat 18" galt den britischen Behörden schon nach kurzer Zeit als "gefährlichste und gewaltbereiteste Zelle" der Szene.

"Combat 18" ermunterte ihre Anhänger in Großbritannien zu Angriffen auf Schwarze, Homosexuelle und Juden. Zahlreiche Attacken gegen Einwanderer gingen aufs Konto der militanten Neonazigruppe. Sie bekannte sich zu mehreren Bombenanschlägen in vor allem von Migranten bewohnten Vierteln.

In den Neunzigerjahren entstand ein Ableger in Deutschland, der zu Beginn dieses Jahrhunderts als eine der bedeutendsten rechtsextremen Organisationen im Land galt. Besonders aktiv war eine Gruppe in der Nähe von Hamburg: 2003 beendeten Hunderte Polizisten das Treiben der Neonazizelle "Combat 18 Pinneberg", die über etliche Waffen sowie eine Anleitung zur Herstellung von Sprengsätzen verfügte. Die Ermittler entdeckten zudem Listen mit den Namen von Politikern und Polizisten.

Die Liste der Straftaten ist lang

Nachdem es ruhiger geworden war um die Gruppe, gibt es seit einigen Jahren Hinweise darauf, dass "Combat 18" sich neu formiert hat. Dem Bundesinnenministerium zufolge gab es spätestens 2014 wieder eine Gruppe unter diesem Namen - mit Anhängern unter anderem in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Rheinland-Pfalz. Zuletzt rechneten die Sicherheitsbehörden der Gruppe rund 20 Mitglieder zu.

Als wichtige Führungsfigur galt Stanley Röske - ein zuletzt in Thüringen ansässiger Rechtsextremer aus Nordhessen, der sich früher unter anderem in der "Oidoxie Streetfighting Crew" und der Kameradschaft "Sturm 18" engagiert haben soll. Recherchen der Plattform "Exif" und der ARD zeigen, dass auf seinem Kasseler Sparkassenkonto Mitgliedsbeiträge für "Combat 18 Deutschland" eingingen. In Tschechien trainierten Röske und weitere Anhänger der Neonazitruppe das Schießen.

Röske wurde in der Szene wegen seiner Gewaltbereitschaft gefürchtet. Die Liste seiner Kontakte im rechtsextremen Milieu ist lang, ebenso wie die seiner Straftaten: Nötigung, gefährliche Körperverletzung, Diebstahl, Verstoß gegen das Waffengesetz.

Das Innenministerium charakterisiert "Combat 18" in einer Mitteilung als "neonazistische, rassistische und fremdenfeindliche Vereinigung, die in ihrer Zweckrichtung eine Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus aufweist". Der Verein habe unter Rechtsextremisten eine Vorbildfunktion inne und werde als "Symbol des gewaltbereiten Rechtsextremismus" verehrt.

Die neonazistische Ausrichtung der Gruppe zeigt sich demzufolge etwa im Vertrieb von Tonträgern mit rechtsextremer und antisemitischer Musik sowie in der Organisation einschlägiger Konzerte.

Waffenhandel und Anleitungen zum Bombenbau

Wie viele Straftaten "Combat 18" in Deutschland zuzuordnen sind, ist nicht klar - zumal die Gruppe heterogen ist und es auch Sympathisanten und Trittbrettfahrer geben dürfte. So waren im vergangenen Jahr bei Flüchtlingsunterkünften, Moscheen und Parteizentralen Drohschreiben eingegangen, von denen einige mit "Combat 18" unterschrieben waren.

Unstrittig ist, dass es sich um eine Gruppe mit erheblichem Gewaltpotenzial handelt. In der Vergangenheit handelten Anhänger von "Combat 18" illegal mit Waffen, verbreiteten rechtsextreme Hetze und veröffentlichten Anleitungen zum Bombenbau. Der Name der Gruppe tauchte wiederholt im Zusammenhang mit schweren Gewalttaten auf. Auch der mutmaßliche Mörder des CDU-Politikers Walter Lübcke hatte zumindest in der Vergangenheit Kontakt zu späteren Größen von "Combat 18".

Die Gruppe soll zudem in enger Verbindung stehen mit "Blood & Honour" - jenem seit 2000 verbotenen Netzwerk, das dem "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) half. Nach der Ermordung Lübckes hatten mehrere Landesinnenminister ein Verbot von "Combat 18" forciert.

Zuletzt war die Gruppe zudem indirekt Thema bei einem Treffen der Innenminister der Europäischen Union. Der EU-Koordinator für Terrorismusbekämpfung, Gilles de Kerchove, warnte im Oktober vor einem "Vormarsch" der Rechtsextremisten. Ein Vorbild sei Kanada: Die Regierung des nordamerikanischen Landes hatte "Blood & Honour" und "Combat 18" im Juni vergangenen Jahres auf die Terrorliste gesetzt.

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