Containerschiff Piraten entführen "MV Charelle"

Vor der Küste des Oman ist ein Frachter entführt worden - in einem Seegebiet, in dem die somalischen Piraten bisher nicht zugeschlagen haben. Die gekaperte "MV Charelle" hat Kurs auf Somalia genommen und wird von Nato-Kriegsschiffen beobachtet.

Hamburg - Somalische Piraten haben wieder zugeschlagen: Das Containerschiff "MV Charelle" ist offenbar vor der Küste des Oman entführt worden. Das teilte ein Nato-Sprecher an Bord des portugiesischen Kriegsschiffs "Corte-Real" mit. Das entführte Schiff fährt unter der Flagge des Inselstaats Antigua und Barbuda und soll nach Angaben des Schiffsversicherers Lloyds der Reederei Tarmstedt International gehören.

Soldat an Bord des Kriegsschiffs "Corte-Real": Die Piraten schlagen öfter zu, haben dabei aber weniger Erfolg als im vergangenen Jahr

Soldat an Bord des Kriegsschiffs "Corte-Real": Die Piraten schlagen öfter zu, haben dabei aber weniger Erfolg als im vergangenen Jahr

Foto: HO/ REUTERS

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters gehört das Schiff einem deutschen Unternehmen. Das Auswärtige Amt und die Nato konnten dies am Abend nicht verifizieren. Bisher ist nicht bekannt, wie viele Besatzungsmitglieder sich an Bord befinden und welcher Nationalität sie sind.

Nach Nato-Angaben wurde das Schiff 60 nautische Meilen (rund 110 Kilometer) südlich von der omanischen Küstenstadt Sur aufgebracht. Ein Notruf wurde offenbar nicht empfangen, seit Freitagnachmittag gilt das Schiff aber als entführt. Es sei die erste Piraten-Attacke im Hoheitsgebiet des Oman - und der erste Angriff außerhalb des gewohnten Operationsgebietes der Piraten.

Offenbar suchten die Entführer nach neuen Einsatzgebieten, sagte Lieutnant Commander Alexandre Fernandes. Das Schiff sei unterwegs in südwestlicher Richtung mit Kurs Somalia und werde schon bald in internationales Gewässter stoßen, wo diverse Kriegsschiffe patroullierten.

Die "MV Charelle" ist nach den Informationen der Website "International Cargo Vessels" rund 85 Meter lang und wurde in Bremerhaven von der Seebeckwerft gebaut. In Dienst gestellt wurde es Ende 1985. Seitdem hat das Schiff sieben Mal den Namen gewechselt, seit 2007 fährt es als "Charelle".

Wie die portugiesische Nachrichtenagentur Lusa berichtet, hat die Fregatte "Corte-Real" bis vor wenigen vergangenen Tagen zwei Schiffe des Welternährungsprogrammes nach Mogadischu begleitet, um danach wieder gen Golf von Aden zu steuern. Sie patrouilliert im Rahmen der Mission "Allied Protector", die Piraten in somalischen Gewässern bekämpfen sollen.

Anfang Juli soll die neue Mission "Ocean Shield" starten. Die Nato-Verteidigungsminister einigten sich am Freitag in Brüssel auf den Einsatz, an dem sich sechs Länder beteiligen sollen. Auch die deutsche Fregatte "Karlsruhe" wird die Operationen unterstützen. Der Kampf gegen Piraten sei "im Interesse eines freien Seehandels und der Seesicherheit", sagte Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU).

Zudem will die EU ihre vor gut sechs Monaten gestartete Anti-Piraten-Mission "Atalanta" bis Ende 2010 verlängern. Zu einem entsprechenden Beschluss würden die Außenminister am Montag in Luxemburg kommen, hieß es von EU-Diplomaten.

In diesem Jahr wurden bereits mehr Schiffe vor der Küste Somalias angegriffen als im gesamten vergangen Jahr, teilte das International Maritime Bureau mit. Demnach seien bislang 132 Attacken gemeldet worden, 2008 waren es insgesamt 111. Entführt haben die Piraten 29 Schiffe, im vergangenen Jahr waren es 42.

Moderne Piraten - Gefahr am Horn von Afrika

ore/Reuters/AFP
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