Österreich Ermittlungen gegen vier Verdächtige nach Corona-Ausbruch in Ischgl

Wie konnte Ischgl zum Corona-Hotspot werden? Die Behörden konzentrieren sich nun auf vier Personen, die Corona-Verordnungen womöglich nicht korrekt umsetzten. Darunter ist offenbar auch der Bürgermeister.
Wintersportort Ischgl: Hotspot der Corona-Ausbreitung

Wintersportort Ischgl: Hotspot der Corona-Ausbreitung

Foto: LISI NIESNER / REUTERS

Nach dem Corona-Ausbruch im österreichischen Wintersportort Ischgl gehen die Behörden gegen vier Personen vor. Nach Prüfung von mehr als 10.000 Seiten Beweismaterial hätten sich die Ermittlungen konkretisiert, teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck, Hansjörg Mayr, mit.

Die Identitäten der Beschuldigten nannte er nicht. Ischgls Bürgermeister Werner Kurz bestätigte jedoch laut ORF, es gebe Ermittlungen gegen ihn. Der Vorwurf lautet dem Sender zufolge in allen vier Fällen auf vorsätzliche oder fahrlässige Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten.

Die Tiroler Gemeinde Ischgl galt im März als Corona-Hotspot, der maßgeblich zur Verbreitung des Virus in Teilen Europas beigetragen haben soll . Eine Frage ist, ob gemäß den damals vorliegenden Erkenntnissen rechtzeitig gehandelt wurde, um die Verbreitung einzudämmen.

Bei den Ermittlungen geht es laut Staatsanwalt Mayr vor allem darum, ob Verordnungen korrekt umgesetzt wurden. In Ischgl betreffe das Verkehrsbeschränkungen, im Paznauntal die Einhaltung von Quarantäne.

Nachdem Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz am 13. März die Quarantäne über das Paznauntal in einer Pressekonferenz verkündet hatte, reisten Tausende Touristen und Saisonarbeiter unter teils chaotischen Bedingungen ab, obwohl sie laut Quarantäneverordnung eigentlich im Tal hätten bleiben sollen.

In der Causa laufen auch Zivilverfahren. Verbraucherschützer brachten vergangene Woche die ersten vier Musterklagen auf Schadensersatz im Namen von Menschen ein, die sich beim Urlaub in Ischgl oder bei der Abreise mit dem Coronavirus angesteckt haben sollen.

fek/dpa/AFP
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