Coronapandemie Polizei ermittelt offenbar in mehr als 3000 Verfahren wegen gefälschter Impfpässe

Die Landeskriminalämter ermitteln einem Medienbericht zufolge in mehr als 3100 Verfahren wegen falscher Impfnachweise. Die Ermittler beobachten demnach »auf diversen Messengerkanälen« eine erhöhte Nachfrage.
Die Landeskriminalämter gehen jedoch von einer beachtlichen Dunkelziffer aus (Symbolbild)

Die Landeskriminalämter gehen jedoch von einer beachtlichen Dunkelziffer aus (Symbolbild)

Foto: Mareen Fischinger / imago images/Westend61

In Deutschland laufen offenbar bereits mindestens 3100 Ermittlungsverfahren wegen gefälschter Impfpässe. Das berichtet die »Wirtschaftswoche«  unter Berufung auf eine eigene Umfrage den 16 Landeskriminalämtern. Allein in Bayern werden demnach rund 900 Ermittlungsverfahren geführt. In Köln habe die Staatsanwaltschaft von 70 Ermittlungsverfahren in diesem Jahr berichtet. Die Landeskriminalämter gingen jedoch von einer beachtlichen Dunkelziffer aus.

350 Euro für eine Fälschung

Das Bundeskriminalamt beobachtet dem Bericht zufolge »auf diversen Messengerkanälen« eine erhöhte Nachfrage nach gefälschten Impfbüchern. In Sachsen-Anhalt etwa verdreifachten sich die Hinweise auf diese Art von Urkundenfälschung seit Mai. In Bayern verkaufte ein Apothekenmitarbeiter unter Pseudonym im Darknet allein im Oktober 500 gefälschte QR-Codes für den digitalen Corona-Impfausweis – zum Preis von je 350 Euro.

Der Deutsche Apothekerverband selbst geht bundesweit »von einer vierstelligen Zahl von Ermittlungsverfahren« aufgrund von gefälschten gelben Impfbüchern aus, die in Apotheken vorgelegt wurden.

Bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe

Bürger mit manipulierten Pässen mussten bislang nicht unbedingt etwas befürchten, wenn sie erwischt wurden. Eindeutig strafbar machte sich nur, wer gefälschte Gesundheitsdokumente offiziell bei Behörden oder Versicherungen einsetzte; ob dies auch in Apotheken oder der Gastronomie galt, war umstritten. Diese mögliche Lücke schloss der Gesetzgeber nun.

Ab sofort können das Fälschen, Ausstellen und der Gebrauch unrichtiger Gesundheitsdokumente mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren geahndet werden, im Fall von gewerbs- oder bandenmäßiger Täuschung sind es bis zu fünf Jahre. Der Apothekerverband erwartet, dass dies »eine abschreckende Wirkung« haben dürfte.

kim/AFP
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