Von Liegestützen bis Knast So werden Corona-Verstöße weltweit geahndet

Sie denken, 150 Euro seien eine harte Strafe für einen Verstoß gegen die Maskenpflicht? In anderen Ländern fallen die Konsequenzen mitunter weitaus drastischer aus.
Indonesien: Straf-Liegestütze wegen Verstoß gegen die Maskenpflicht

Indonesien: Straf-Liegestütze wegen Verstoß gegen die Maskenpflicht

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Binsar Bakkara / dpa

Corona-Sünder werden in Deutschland immer häufiger zur Kasse gebeten. Die Bundesländer haben dafür umfassende Bußgeldkataloge erlassen. Unter Umständen können Verstöße auch als Straftat geahndet werden, das Infektionsschutzgesetz  sieht hierzulande Geldbußen von bis zu 25.000 Euro - und Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren vor. Wenn sich jemand durch das Fehlverhalten infiziert, sind sogar bis zu fünf Jahre Haft möglich. In der Regel werden Verstöße gegen Kontaktverbote jedoch als Ordnungswidrigkeit geahndet.

In anderen Ländern fallen in Zeiten der Pandemie die Strafen hingegen auch bei kleineren Regelübertritten deutlich härter aus. Vor allem aus Asien gibt es, zum Teil kuriose, Einzelfälle zu berichten. Ein (unvollständiger) Überblick:

  • In Indonesien werden Corona-Verstöße zum Teil mit Leibesübungen geahndet. Demütigende Turnübungen wie Liegestütze unter Aufsicht der Polizisten in aller Öffentlichkeit sollen die Menschen zur Einhaltung der Maskenpflicht bringen. Und der weltgrößte Inselstaat kennt noch andere Varianten von "Public Shaming", um die Regeln durchzusetzen: Das öffentliche Singen der Nationalhymne etwa, die erzwungene Teilnahme an Beerdigungen von Covid-19-Opfern (so geschehen in Tuban auf Java) sowie das Reinigen öffentlicher Räume in einer leuchtend-orangen Weste mit der Aufschrift "Verletzer des Gesundheitsprotokolls".

  • In Österreich stehen bereits bis zu drei Jahre Haft auf die fahrlässige Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten. Sechs Monate Bewährung und 800 Euro Strafe gab es deshalb schon für eine infizierte 49-Jährige aus Klagenfurt, weil sie ihr Haus verließ. Die Frau sagte, sie habe die Quarantäne nur gebrochen, weil sie Geld für ihre kranke Enkelin in Bosnien überweisen musste. Eine in Tirol lebende Deutsche muss 10.800 Euro zahlen, weil sie trotz Infekts und Quarantäne einkaufen ging und ein Taxi nahm. Die Staatsanwälte wollen auch für sie mindestens eine Bewährungsstrafe und gingen in Berufung.

  • Im westafrikanischen Ghana drohen den Bürgern zwischen vier und zehn Jahren Gefängnis oder bis zu 60.000 Cedi (8800 Euro) Strafe, wenn sie ohne Mund-Nasen-Bedeckung erwischt werden. Präsident Nana Akufo-Addo verabschiedete im Juni ein entsprechendes Gesetz.

  • In Großbritannien hat die Regierung kürzlich die Bußgelder für Corona-Verstöße erhöht: Wer wiederholt gegen die Pflicht zum Tragen einer Gesichtsbedeckung in Läden oder anderen geschlossenen Räumen verstößt, muss nun bis zu 3200 Pfund (rund 3500 Euro) zahlen - doppelt so viel wie bisher. Veranstalter illegaler Partys müssen gar mit Bußgeldern von bis zu 11.000 Euro rechnen.

  • In Thailand sind auf der Insel Koh Chang ein Schweizer und seine einheimische Ehefrau zu zwei Monaten Haft verurteilt worden, weil sie im April vor ihrem Haus Suppe gegessen und darüber wohl die Zeit vergessen hatten. Als die Polizei anrückte, war es 22.20 Uhr. Das Problem: Ab 22 Uhr galt damals eine Ausgangssperre, die mittlerweile aufgehoben wurde. Die beiden sind auf Kaution auf freiem Fuß und gingen in Berufung - aber die mögliche Zeit im Gefängnis hängt wie ein Damoklesschwert über ihnen. "Dies ist eine ziemlich komplizierte Zeit für uns", schrieb der Walliser, der seit zehn Jahren in Thailand lebt, auf Facebook. In dem Berufungsverfahren ist bislang offenbar noch keine Entscheidung gefallen.

  • In Malaysia muss ein Restaurantbesitzer fünf Monate hinter Gitter. Der Mann hätte sich wegen Corona-Symptomen in Selbstisolation befinden müssen, hatte aber dennoch sein Lokal weiter geöffnet. "In der Folge mussten mehrere Dörfer in den Bundesstaaten Kedah und Perlis unter Lockdown gestellt werden", erzürnte sich der Minister für nationale Sicherheit, Ismail Sabri Yaakob. Mindestens 40 Infektionsfälle wurden in Zusammenhang mit dem Quarantäne-Verstoß bestätigt.

  • In Singapur musste ein 40-Jähriger ins Gefängnis. Sein Vergehen: Der Taxifahrer hatte im April in einer Facebook-Gruppe geschrieben, dass wegen des Lockdowns Läden schließen und Supermärkte nur noch zwei Tage die Woche öffnen würden. Obwohl er den Post schon nach 15 Minuten wieder löschte, habe er damit die Leute zu Panikkäufen veranlasst, befand ein Gericht. Das Resultat: Vier Monate Haft wegen Verbreitung falscher Informationen.

  • In Indien ging die Polizei gegen maskenlose Passanten, Straßenverkäufer und Rikscha-Fahrer schon zu Beginn der Pandemie mit Schlagstöcken vor. Andere Regelbrecher mussten Kniebeugen machen oder wurden von Beamten mit Helmen in Form des Coronavirus erschreckt. Touristen mussten wegen eines unerlaubten Spaziergangs 500-mal schreiben: "Ich habe mich nicht an die Ausgangssperre gehalten, und das tut mir sehr leid."

apr/dpa