Vergewaltigungsvorwürfe gegen US-Star Applaus für Bill Cosby bei Liveshow

Trotz immer neuer Vergewaltigungsvorwürfe setzt Bill Cosby seine Comedy-Tour in den USA fort. Bei einem Auftritt in Florida bekam der 77-jährige Entertainer Standing Ovations.

AP

Hamburg - Von der Kontroverse, die momentan in den USA um Bill Cosby tobt, war bei seinem Auftritt am Freitag kaum etwas zu spüren. Der 77-Jährige absolvierte seine Show in einem Saal des Eastern Florida State College in der US-Kleinstadt Melbourne - trotz der Vorwürfe mehrerer Frauen, Cosby habe sie mit Drogen betäubt, gefügig gemacht und missbraucht. Am Ende bekam er laut "New York Times" Standing Ovations.

Auf die Anschuldigungen ging Cosby während seiner rund 90-minütigen Show nicht ein. Stattdessen erzählte er Anekdoten und Witze zum Thema Familie. Ein lokaler Radiosender hatte Zuschauern vor der Sendung Geld versprochen, wenn sie während der Show aufstehen und von Cosby verlangen würden, sich zu erklären. Das tat jedoch niemand.

Vor dem Gebäude standen drei Demonstranten und hielten Protestbanner hoch. "Vergewaltigung ist kein Witz", "Opferschändung" sei darauf zu lesen gewesen, berichtet die "NYT".

In den vergangenen Tagen war Cosby schwer belastet worden. Am Freitag machten drei weitere Frauen - Renita Chaney Hill, Angela Leslie und Kristina Ruehli - öffentlich, was ihnen von Cosby angeblich angetan worden sein soll. Ihre Geschichten ähneln sich: Stets soll Cosby ihnen zuerst Drogen verabreicht und sich dann an ihnen vergangen haben.

Ruehli gab gegenüber dem "Philadelphia Inquirer" an, Cosby habe sie 1965 zu sich nach Hause eingeladen und ihr offenbar etwas in ihren Drink getan. Sie habe das Bewusstsein verloren. Als sie wieder zu sich kam, habe sie auf einem Bett gelegen, und Cosby habe versucht, sie zu Oralsex zu zwingen. Sie habe sich übergeben und sei aus dem Haus geflüchtet. Sie wolle kein Geld von Cosby, fügte Ruehli hinzu. "Ich habe nichts zu gewinnen." Sie wolle nur "die Wahrheit erzählen", um die Aussagen anderer Frauen zu stützen.

"Grenze zur Absurdität überschritten"

Cosby selbst schweigt zu den Vorwürfen. Den Aufruf des Radiosenders nannte er unverantwortlich. "Nur mal angenommen, jemand bringt eine Waffe mit", sagte er der Zeitung "Florida Today". "Das wäre für niemanden gut."

Cosbys Anwalt, Martin Singer, veröffentlichte am Freitag eine längere Stellungnahme. "Die neuen, nie zuvor gehörten Behauptungen von Frauen" hätten die Grenze zur "Absurdität" überschritten, schrieb Singer. Es sei "komplett unlogisch", dass so viele von ihnen nichts gesagt, nichts getan und keine rechtlichen Schritte eingeleitet hätten, wenn sie gedacht hätten, man habe sich an ihnen vergriffen.

Die Vorwürfe lägen teils 50 Jahre zurück, schrieb Singer. Es habe "nie einen Mangel an Anwälten" gegeben, die "willens sind, Menschen mit Anschuldigungen gegen reiche, mächtige Männer" zu vertreten. Es ergebe einfach keinen Sinn, dass niemand sich zuvor geäußert habe.

Cosby wurde mit seiner langjährigen Sitcom "Die Cosby Show" zu einem weltweit bekannten Comedian und inszenierte sich lange als moralische Instanz Amerikas. Sein Image hatte bereits 2006 Risse bekommen. Seinerzeit zahlte er einer US-Bürgerin namens Andrea Constand eine Abfindung, um einen Rechtsstreit mit ihr zu beenden. Constand hatte Cosby 2004 nach einem Dinner in sein Haus in Philadelphia begleitet. Dort habe sie der Entertainer mit einer Tablette sexuell gefügig gemacht, behauptete die Frau. Cosby stritt dies ab und sagte, er habe ihr lediglich eine Beruhigungstablette gegeben.

Seine Comedy-Karriere will Cosby offenbar trotz der neuen Vorwürfe gegen ihn fortsetzen. Bis Frühjahr 2015 sind zahlreiche weitere Auftritte geplant. Andere Pläne des TV-Veteranen liegen vorerst auf Eis. Der Sender NBC sagte eine geplante Sendung mit dem Komiker ab. Die Onlinevideothek Netflix verschob ein Spezial mit Cosby auf unbestimmte Zeit.

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