Untergang der "Costa Concordia" "Es fehlten 30 Sekunden"

Schuld sind immer die anderen. So verteidigt sich Francesco Schettino, vormals Kapitän des gesunkenen Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia", bei seiner letzten Vernehmung. Nur 30 Sekunden hätten ihm gefehlt.

Das Wrack der Costa Concordia (Archiv): Kapitän Francesco Schettino weist vor Gericht alle Schuld von sich
AFP

Das Wrack der Costa Concordia (Archiv): Kapitän Francesco Schettino weist vor Gericht alle Schuld von sich


Grosseto - Die Crew soll Schuld sein, dass " Costa Concordia"-Kapitän Francesco Schettino das Schiff nicht retten konnte. Das behauptete der angeklagte Schettino vor Gericht im italienischen Grosseto. Es sei fast gelungen, das Auflaufen auf einen Felsen zu verhindern. "Stellen Sie sich vor, was mit nur 30 Sekunden mehr Zeit hätte gemacht werden können, wenn man mir alle Informationen gegeben hätte", zitiert ihn die Zeitung "Il Tirreno".

"Wir waren schon fast soweit, die Katastrophe zu verhindern", behauptete der frühere Kapitän. Zuletzt hatte er vor Gericht noch erklärt, die Schwerkraft hätte ihn vom Schiff gezwungen, als die "Costa Concordia" am 13. Januar 2012 vor der kleinen toskanischen Insel Giglio gegen einen Felsen prallte, leckschlug und kenterte.

Die Staatsanwaltschaft wirft Schettino vor, das Schiff kurz nach dem Unfall in Panik in einem Rettungsboot verlassen zu haben, obwohl noch Hunderte Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord waren. Der 54-Jährige ist wegen fahrlässiger Tötung in mehreren Fällen angeklagt. 32 Menschen waren damals ums Leben gekommen.

Anfang 2015 soll der Prozess enden

Schon mehrfach erhob Schettino den Vorwurf gegen seine Besatzung, sie habe ihm in den dramatischen Minuten die notwendigen Informationen vorenthalten. Er sei bereit, "einen Teil der Verantwortung zu übernehmen, aber nur einen Teil".

Für die Staatsanwaltschaft ist Schettino der Hauptverantwortliche. Nach dem von ihm veranlassten und misslungenen Manöver soll der Kapitän völlig den Kopf verloren haben: Demnach hatte er die Evakuierung viel zu spät veranlasst, sich dann selbst gerettet und die Menschen an Bord ihrem Schicksal überlassen. Schettino drohen 20 Jahre Haft.

Der Mammutprozess gegen ihn hatte vor anderthalb Jahren begonnen. Nun steht er vor dem Abschluss. Laut "Il Tirreno" trat Schettino am Samstag zum letzten Mal in den Zeugenstand. Die Schlussplädoyers von Verteidigung und Anklage sind demnach für Januar vorgesehen.

isa/AFP

insgesamt 18 Beiträge
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nofreemen 13.12.2014
1. was ist Verantwortung
der Mann (Schettino) hat viel abgeckukt. Seine Antworten ähneln denen von Politikern. Grosser Max spielen und ständig von Verantwortung sprechen und dafür den Respekt einfordern. Diese schönwetter Kapitäne sind ein Produkt unserer Gesellschaft ganz klar. Gewinnoptiemierung auf der ganzen Linie. Dazu gehört such das man Leute anstellt mit denen man im Ernstfall gar nicht sprechen kann. So lange alles glatt läuft kräht kein Hahn danach. Nun ist aber der Ernstfall eingebrochen und da trägt due Rederei die Hauptschuld. Schettino musste mit Leuten arbeiten die ihm zugewiesen wurden. Dafür kann er nicht alleine gerade stehen. Nicht Schettino.
gierig_master 14.12.2014
2. Wie bitte?
Er trägt natürlich die volle Schuld. Er war der Kapitän und trägt für alles was sein Schiff betrifft die Verantwortung. Das Schiff hätte erst gar nicht so nah an Land kommen dürfen. Insgesamt als Kapitän sehr schwach, aber irgendwo auch ein natürlicher Reflex sich sofort in Sicherheit zu bringen. Das mit der "Schwerkraft" ist ebenso eine sehr traurige Lüge. Im Grunde genommen bringt dieser "Kapitän" nichts mit sich, was ein Kapitän haben muss, Verantwortungsbewusstsein, Ehrlichkeit, Handlungsvermögen etc.. Hoffentlich bekommt er die Höchststrafe...
jujo 14.12.2014
3. ...
Die Verantwortug des Kapitäns ist nicht teilbar! Wer nicht bereit ist das zu akzeptieren, sollte diesen Job nicht machen. In die prekäre Lage ist Das Schiff lange vor den entscheidenden 30 Sekunden gekommen. Der Kapitän war auf der Brücke, wenn ihn der verantwortliche Nautiker nicht informiert muss der Kapitän dieses einfordern oder sich selbst einen Überblick verschaffen. Dazu hätte ich nicht 30 Sekunden gebraucht, mir hätte ein Blick aus dem Fenster und ein Blick auf den Radarschirmmg genügt!
uhu_13 14.12.2014
4. ein Blick nach Korea gibt Aufschluss wo das hingehen sollte.
http://www.sueddeutsche.de/thema/Schiffsunglück_vor_Südkorea
CobCom 14.12.2014
5. Bäh...
... wenn mir in meiner Wohnung etwas wie Schettino über den Weg liefe, träte ich mit dem Stiefel drauf. Geht feiger, peinlicher und schleimiger eigentlich noch? Natürlich bleiben weitere Fragen: Wer ernennt jemanden zum Kapitän, bei dem es charakterlich maximal zum Hilfsmaschinisten gereicht hätte? Sollte auf Kreuzfahrtschiffen zukünftig die Funktion nautische Leitung von der Funktion "in-Uniform-nett-aussehen" bzw. "mit-gelangweilten-Passagierinnen-rummachen" klar getrennt werden?
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