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02. Dezember 2014, 13:17 Uhr

"Costa Concordia"-Prozess

Kapitän Schettino gibt anderen Mitschuld an Katastrophe

Knapp drei Jahre nach dem Untergang der "Costa Concordia" hat Kapitän Francesco Schettino vor Gericht ausgesagt. In seiner ersten Aussage rechtfertigte er sein Verhalten am Abend des Unglücks und gab anderen Mitschuld an der Katastrophe.

Grosseto - Der Unglückskapitän der havarierten "Costa Concordia" hat bei seiner ersten Aussage vor Gericht die gefährliche Kursänderung des Schiffs gerechtfertigt. Die Tatsache, dass die "Costa" so nahe an die Insel Giglio gefahren sei, habe auch kommerzielle Gründe gehabt, sagte Francesco Schettino vor Gericht im toskanischen Grosseto. Zudem habe er damit einem Kellner einen Gefallen tun wollen, der von der Insel stammt. Die Reederei habe er über die Kursänderung nicht informieren müssen.

Der ehemalige Kapitän muss sich wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung, Verursachung von Umweltschäden und Verlassen eines Schiffs in Seenot vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, das ihm unterstellte Schiff zu früh verlassen zu haben. Vor Gericht erschien Schettino im grauen Anzug und mit Sonnenbrille. Er wollte bei der live übertragenen Verhandlung nicht gefilmt werden.

Die "Costa Concordia" war am 13. Januar 2012 mit rund 4200 Menschen an Bord havariert, 32 Menschen starben. Erst vor wenigen Wochen war das letzte Todesopfer geborgen worden. Unter den Toten waren auch 12 Deutsche.

Das Schiff konnte erst zweieinhalb Jahre nach der Katastrophe geborgen werden. In diesem Sommer war die "´Costa Concordia" vom Unglücksort nahe der Insel Giglio über 350 Kilometer durch das Mittelmeer in den Hafen von Genua geschleppt worden.

jbe/dpa

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