"Costa Concordia"-Prozess Kapitän Schettino gibt anderen Mitschuld an Katastrophe

Knapp drei Jahre nach dem Untergang der "Costa Concordia" hat Kapitän Francesco Schettino vor Gericht ausgesagt. In seiner ersten Aussage rechtfertigte er sein Verhalten am Abend des Unglücks und gab anderen Mitschuld an der Katastrophe.

Kapitän Francesco Schettino: Wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht
AFP

Kapitän Francesco Schettino: Wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht


Grosseto - Der Unglückskapitän der havarierten "Costa Concordia" hat bei seiner ersten Aussage vor Gericht die gefährliche Kursänderung des Schiffs gerechtfertigt. Die Tatsache, dass die "Costa" so nahe an die Insel Giglio gefahren sei, habe auch kommerzielle Gründe gehabt, sagte Francesco Schettino vor Gericht im toskanischen Grosseto. Zudem habe er damit einem Kellner einen Gefallen tun wollen, der von der Insel stammt. Die Reederei habe er über die Kursänderung nicht informieren müssen.

Der ehemalige Kapitän muss sich wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung, Verursachung von Umweltschäden und Verlassen eines Schiffs in Seenot vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, das ihm unterstellte Schiff zu früh verlassen zu haben. Vor Gericht erschien Schettino im grauen Anzug und mit Sonnenbrille. Er wollte bei der live übertragenen Verhandlung nicht gefilmt werden.

Die "Costa Concordia" war am 13. Januar 2012 mit rund 4200 Menschen an Bord havariert, 32 Menschen starben. Erst vor wenigen Wochen war das letzte Todesopfer geborgen worden. Unter den Toten waren auch 12 Deutsche.

Das Schiff konnte erst zweieinhalb Jahre nach der Katastrophe geborgen werden. In diesem Sommer war die "´Costa Concordia" vom Unglücksort nahe der Insel Giglio über 350 Kilometer durch das Mittelmeer in den Hafen von Genua geschleppt worden.

Chronologie einer Katastrophe

jbe/dpa

insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
jujo 02.12.2014
1. ...
Er kann anderen, wem? Reederei, Untergebene?, nur indirekt die Schuld geben. Er war auf der Brücke, er hätte jederzeit in Landnähe die Kontrolle haben müssen über die Situation. Selbst wenn ein Offizier das Kommando gehabt hätte, hätte er in der Lage sein müssen jederzeit unverzüglich das Kommando zu übernehmen. Davon abgesehen, ich würde niemals einem Dritten Offz. , der hatte wohl Wache, in dem Seegebiet, bei so dichter Annäherung an Land, das Kommando überlassen. Mein Fazit: Nur Schutzbehauptungen um den möglichen Knast zu entgehen
lemmy 02.12.2014
2. Eine Schande !
Dieser Mann ist einfach eine Schande. Er müsste sich für alles was er getan hat bzw. unterlassen hat in Grund und Boden schämen. Und was tut dieser Mensch? Er versucht selbst jetzt noch die Schuld auf andere zu schieben. Ein unerträglicher feiger Charakter. Erst lässt er das Schiff auf Grund laufen nur aus Geltungssucht zur Selbstinszenierung, und dann verlässt er als Erster das sinkende Schiff. Und wenn man sich dazu auch noch den Live-Mitschnitt des Telefongespräches zwischen ihm und dem Hafenkommandanten während der Havarie anhört, dann sträuben sich einem die Haare, weil man kaum glauben mag, was dieser Typ da gefaselt hat. Unglaublich.
tma-1 02.12.2014
3.
Der Kapitän eines Schiffes hat immer die Verantwortung - egal wer gerde die Wache hat. Punkt. Wie hat dieser Typ eigentlich sein Patent bekommen?
Robeuten_II 02.12.2014
4.
Zitat von lemmyDieser Mann ist einfach eine Schande. Er müsste sich für alles was er getan hat bzw. unterlassen hat in Grund und Boden schämen. Und was tut dieser Mensch? Er versucht selbst jetzt noch die Schuld auf andere zu schieben. Ein unerträglicher feiger Charakter. Erst lässt er das Schiff auf Grund laufen nur aus Geltungssucht zur Selbstinszenierung, und dann verlässt er als Erster das sinkende Schiff. Und wenn man sich dazu auch noch den Live-Mitschnitt des Telefongespräches zwischen ihm und dem Hafenkommandanten während der Havarie anhört, dann sträuben sich einem die Haare, weil man kaum glauben mag, was dieser Typ da gefaselt hat. Unglaublich.
Zustimmung - das Irre ist, der wird damit sogar ganz gut durchkommen - der Kapitän einer Fähre in Korea wurde zu 36 Jahren verknackt - Unfall war später, Urteil früher, und härter...
neanderspezi 02.12.2014
5. Die schwere Havarie dürfte nach Jahren schon einen Großteil der Eindrücke verwässert haben
Aushielt er bis er das Ufer gewann mit der Costa Concordia, dann sprang Kapitän Schettino nach der Kollision mit Felsen und der zunehmenden Schieflage des Schiffes in großer Sorge in ein Rettungsboot zu einem Teil der auf Rettung erpichten Schiffsmannschaft um unversehrt das Ufer von Giglio zu erreichen und überließ dem Rest der Mannschaft die Bergung der Passagiere, während er aufmerksam und seiner Verantwortung bewusst vom Ufer die Rettungsaktionen beobachtete. Die Richter werden sich zweifellos schwertun, diesem integren Kapitän irgendeine voreilige Handlung angesichts seines ihn betreffenden sicherheitsbewussten Verhaltens während der Schiffskatastrophe nachzuweisen oder ihn gar dieserhalb einer Verurteilung auszusetzen. Auch ein Kapitän sollte ein weiteres Mal sein der Verantwortung entrücktes Verhalten in einer eventuell ähnlich gelagerten Notsituation unter Beweis stellen dürfen, wobei er allerdings vor Giglio keineswegs wieder eine Verneigung eines ihm anvertrauten Schiffes anordnen dürfte.
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