Crime-Show TV-Moderator soll Mörder angeheuert haben

Er war immer schnell am Ort des Verbrechens: Mit diesem Sendekonzept wurde der brasilianische TV-Moderator Wallace Souza populär. Jetzt wird gegen den 50-Jährigen ermittelt - er soll Auftragskiller mehrfach zu Morden angestiftet haben, um seine TV-Quote zu steigern.


São Paulo - Wenn im brasilianischen Bundesstaat Amazonas tödliche Schüsse fielen, waren die Verbrechen in den vergangenen Jahren nicht nur ein Fall für die Polizei, sondern oft auch für Wallace Souza. Der TV-Moderator berichtete mit seiner Crime-Sendung über Gewalt und Kriminalität in der Region.

Souza hatte viel zu tun - in Brasilien wird oft getötet. "Manaus kann nicht länger mit dieser Welle von Gewalt leben", sagte der 50-Jährige oft in seiner täglichen Sendung über die 1,7 Millionen Einwohner große Hauptstadt des Bundesstaates. "Heutzutage tötet jeder."

Souzas Kameraleute waren schnell, sehr schnell sogar. Oft waren sie die ersten am Tatort, noch vor der Polizei. Das brachte Quote, Souzas Sendung wurde populär.

Nicht nur im Fernsehen lief es gut für Souza: Er machte als Politiker Karriere, gab den entschlossenen Kämpfer gegen Verbrechen. Bei Regionalwahlen wurde Souza gleich drei Mal gewählt, in zwei Fällen bekam er sogar die meisten Stimmen.

Souzas Sendung ist inzwischen aus dem Programm genommen - und der Moderator, der angeblich Verbrecher jagte, steht unter einem schwerwiegenden Verdacht: Er soll selbst einer sein. Mindestens fünf der Morde, über die in seiner Sendung berichtet wurde, soll Souza selbst in Auftrag gegeben haben, berichtet die "BBC". Ermittlern zufolge wollte Souza damit die Quote seiner Sendung steigern und zudem konkurrierende Drogenhändler aus dem Weg schaffen - Souza wird auch Drogenhandel und die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen.

"Die Mordaufträge kamen immer von Souza und seinem Sohn", sagte Polizeichef Thomaz Vasconcelos. "Sie haben dann ihre Kamerateams alarmiert, damit sie noch vor der Polizei am Tatort sind." Souza habe Rivalen in der Drogenszene töten lassen, so Vasaconcelos. "Dies nutzte er für Stories in seiner Sendung."

Auch wenn die Ermittlungen gegen Souza laufen - derzeit ist der 50-Jährige noch auf freiem Fuß, weil er als gewählter Politiker Immunität genießt. Sein Sohn und 15 weitere Verdächtige wurden inzwischen verhaftet. Ihnen werden Mord, illegaler Waffenbesitz und Drogenhandel vorgeworfen. Die Polizei stellte in Souzas Haus unter anderem zahlreiche Waffen, Munition und große Geldsummen sicher.

Souza streitet die Vorwürfe ab und sieht sich als Opfer einer Intrige. Seinem Anwalt Francisco Balieiro zufolge wollten politische Gegner seinem Mandanten schaden. "Es gibt keinen einzigen Beweis für diese Anschuldigungen", sagte Balieiro.

Souza hat Polizeiangaben zufolge in seiner Vergangenheit auch als Polizist gearbeitet. Er wurde gefeuert, weil er in Betrügereien verwickelt war.

hen/AP



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.