Tödliche Schüsse auf Polizisten Albtraum in Dallas

In Dallas sind während einer Demo gegen Rassismus mehrere Polizisten gezielt erschossen worden. Nun rätseln die Ermittler über die Hintergründe. Was bisher bekannt ist.


Dallas ist mit 1,3 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt im US-Bundesstaat Texas. Vor mehr als 50 Jahren wurde dort der damalige US-Präsident John F. Kennedy von einem Heckenschützen erschossen.

Nun sind es mehrere Attentate, die Dallas weltweit in den Blick rücken lassen: Am Donnerstagabend, nach deutscher Zeit mitten in der Nacht, richteten Heckenschützen dort ein Blutbad unter Polizisten an. Die Hintergründe sind unklar. Was wir wissen - und was wir nicht wissen.

Was ist in Dallas geschehen?

Bei einer Protestkundgebung gegen Rassismus und Polizeigewalt sind in Dallas am Donnerstagabend fünf Polizisten erschossen worden. Sieben Beamte wurden verletzt, außerdem zwei Zivilisten. Die ersten Schüsse fielen um 20.45 Uhr (deutsche Zeit: 3.45 Uhr), als der Protestzug in der Innenstadt enden sollte. Die Polizei begleitete die Demonstration.

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Tödliche Schüsse in Dallas: Eine blutige Nacht

Die Täter sind nach Polizeiangaben Heckenschützen, die sich an erhöhten Orten positioniert haben sollen, um Polizisten mit Gewehren zu töten. Handyvideos zeigen, wie die Demonstranten nach den Schüssen unter Schock auseinandereilen. Man hört Gewehrsalven.

Der Polizeichef von Dallas, David Brown, geht davon aus, dass die Schützen planten, "so viele Beamte zu verletzen und zu töten wie möglich".

Warum gab es eine Protestdemo in Dallas?

Anlass für die Demo waren zwei Fälle aus dieser Woche, in denen Schwarze von weißen Polizisten erschossen worden waren.

Philando Castillo wurde während einer Fahrzeugkontrolle im Bundesstaat Minnesota von mehreren Kugeln getroffen. Alton Sterling starb in Louisiana.

Welche Reaktionen gibt es?

US-Präsident Barack Obama sagte, es handele sich um eine "bösartige, kalkulierte und verabscheuungswürdige Tat". Jeder, der an den Morden beteiligt war, werde zur Rechenschaft gezogen. Für solche Taten gebe es keine Rechtfertigung.

"Unser schlimmster Albtraum ist wahr geworden", sagte Bürgermeister Mike Rawlings. Es sei ein "herzzerreißender Moment" für Dallas. Die Polizei sprach von einer verheerenden Nacht.

Donald Trump, Präsidentschaftsbewerber der Republikaner, beklagte eine tiefe Spaltung der Nation. "Ethnische Spannungen sind schlimmer geworden, nicht besser. Das ist nicht der amerikanische Traum, den wir alle für unsere Kinder wollen."

Trumps Konkurrentin Hillary Clinton bekundete ihre Trauer um die Polizisten, "die während ihrer heiligen Pflicht, friedliche Demonstranten zu schützen, erschossen wurden".

Wer sind die Täter?

Die Polizei hat zur Identität der insgesamt vier Verdächtigen bisher keine Angaben gemacht, auch über die Hautfarbe ist wenig bekannt. Zwei verdächtige Männer wurden nach einer Flucht im Auto festgenommen. Eine Frau nahm die Polizei in der Nähe des Parkhauses fest, es soll sich um eine Afro-Amerikanerin handeln.

Ein Verdächtiger hatte sich stundenlang in einem Parkhaus verschanzt. Er lieferte sich einen Schusswechsel mit der Polizei und drohte damit, weitere Polizisten zu töten. Außerdem sprach er von Bomben in der Stadt. Inzwischen gab die Polizei Entwarnung: Eine Bombe wurde nicht gefunden.

Verhandlungen mit dem Mann blieben erfolglos, er wurde von der Polizei getötet, wie Bürgermeister Rawlings inzwischen bestätigte.

Zwischenzeitlich fahndete die Polizei mit einem Foto via Twitter nach einem verdächtigen Schwarzen, der sich daraufhin bei der Polizei meldete.

Es sei möglich, dass es Täter gebe, die bisher nicht gefasst wurden, sagte Polizeichef Brown. Polizisten durchkämmten am frühen Morgen die Innenstadt. Bürgermeister Mike Rawlings rief die Menschen auf, das Gebiet zu meiden.

Was ist das Motiv?

Ob die Tat eine Art Racheakt war für die tödlichen Schüsse auf die beiden Schwarzen, war zunächst Spekulation. Am Morgen teilte die Polizei in Dallas dann mit, der inzwischen getötete Verdächtige habe der Polizei gesagt, er habe Weiße töten wollen, besonders Polizisten.

Nach übereinstimmenden Medienberichten soll es sich bei dem Mann um den 25-jährigen Micah J. handeln. Er lebte demzufolge in Dallas und war zuvor nicht polizeibekannt.

sms/dpa/AP/Reuters

insgesamt 144 Beiträge
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ProDe 08.07.2016
1. Mehr Waffen = mehr Sicherheit
Dass irgendwann Frust, Rachegefühle o.ä. in Verbindung mit Waffen zu so etwas führt war eine Frage der Zeit. Wenn man so leicht an Waffen kommen kann wie in den USA ist das ein Pulverfass. Die Polizei wird sich nun ihre Gedanken machen - aus Angst noch schneller schießen oder aufrüsten. Nur wie kann das aussehen? Ob in diesem Land der Waffen mal ein Umdenken stattfinden wird bezweifle ich stark. Das wird weiter eskalieren.
olli118 08.07.2016
2. Das musste ja mal so kommen
Gewalt sät Gewalt, und in einem Land, das seine Rechte auf Waffen (und öffentliches Tragen derselben wie in Texas) so verteidigt, wundert es fast, dass nicht schon früher Polizisten nach Übergriffen gegen Farbige attackiert worden sind. Die Spirale wird sich weiterdrehen. Tragisch, aber vorhersehbar.
minando 08.07.2016
3. Gewalt erzeugt..
..mehr Gewalt. Wie überraschend.
anti_g 08.07.2016
4. Texanische Separatisten?
So hat es in Tunesien, Ägypten, Syrien, Ukraine auch angefangen: unbekannte Scharfschützen schiessen auf Sicherheitskräfte und Demonstranten. Sieht jemand Parallelen?
Alm Öhi 08.07.2016
5. Mehr Wafen notwendig
Nach amerikanischer Logik waren zu wenig Waffen im Einsatz, sonst hätte man die schlechten Jungs überwältigender können.
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