Dannenröder Forst Ermittlungen gegen Polizist nach Absturz von A49-Gegnerin

Die Staatsanwaltschaft Gießen ermittelt nach dem Absturz einer A49-Gegnerin im Dannenröder Forst gegen einen Polizeibeamten. Es besteht der Anfangsverdacht der fahrlässigen Körperverletzung.
Aktivist auf einem sogenannten Tripod (Archivbild): Die Polizei räumt seit Tagen den Dannenröder Forst

Aktivist auf einem sogenannten Tripod (Archivbild): Die Polizei räumt seit Tagen den Dannenröder Forst

Foto: Boris Roessler / dpa

Die Staatsanwaltschaft Gießen hat nach dem mehrere Meter tiefen Sturz einer Demonstrantin im Dannenröder Forst ein Verfahren gegen einen Polizeibeamten eingeleitet – wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Körperverletzung im Amt. Das teilten die Strafverfolgungsbehörde und die Polizei mit und erklärten zugleich: »Es liegen bislang keinerlei Hinweise auf ein vorsätzliches Handeln des Beamten vor.«

Die 20-Jährige war am Sonntagmorgen von einem sogenannten Tripod – einem dreibeinigen Gestell – etwa drei bis vier Meter in die Tiefe gestürzt und hatte schwere Verletzungen erlitten. Die Frau werde im Krankenhaus behandelt, Lebensgefahr bestehe nicht, hieß es in der Mitteilung.

Polizisten hätten den Vorfall aus circa 20 Metern Entfernung beobachtet, unverzüglich Erste Hilfe geleistet und den Rettungsdienst hinzugezogen. Danach sei der Bereich als Tatort abgesperrt worden und Beamte des hessischen Landeskriminalamts und des Polizeipräsidiums Südosthessen hätten die Ermittlungen übernommen.

Polizist meldete sich selbst bei Ermittlern

Nach den bisherigen Erkenntnissen habe der 40-jährige Beamte, der sich etwa 30 Meter von dem Tripod entfernt aufhielt, ein Seil auf Kopfhöhe entdeckt. »Dieses Seil war weder gekennzeichnet, noch hatte es augenscheinlich eine erkennbare Verbindung mit dem besetzten Gebilde«, hieß es in der Mitteilung. »Nach jetzigem Erkenntnisstand bestand jedoch tatsächlich eine Verknüpfung zwischen dem Seil und dem Tripod.« Aktivisten hatten am Sonntag mitgeteilt, dass alle Sicherheitsseile im Wald entsprechend markiert seien.

In den vorangegangenen Tagen seien mehrfach Fallen etwa in Form von Drahtseilen in Kopfhöhe festgestellt worden, so die Ermittler. »Zur Verhinderung von solchen Risiken für sämtliche im Wald anwesende Personen durchtrennte der Beamte, der sich eigeninitiativ im Laufe des gestrigen Nachmittags bei den Ermittlern gemeldet hatte, daher das Seil.«

Im Dannenröder Forst bei Homberg/Ohm im Vogelsbergkreis werden Bäume für den Weiterbau der Autobahn 49 gerodet. Dagegen protestieren Umwelt- und Klimaschützer, die den Wald seit mehr als einem Jahr besetzt halten. Die Autobahn soll nach der Fertigstellung Kassel und Gießen direkter miteinander verbinden. Der Bau soll im September 2021 beginnen, bis Februar sollen zunächst 27 Hektar Wald gerodet werden.

wit/dpa/AFP