Protest gegen Ausbau der A49 Polizei schließt Räumungsarbeiten im Dannenröder Forst ab

»Die letzte Person ist zurück auf den Boden gebracht worden«: Die Polizei hat die Räumungsarbeiten im Dannenröder Forst beendet – auch die Baumrodungen stehen vor dem Abschluss.
Schweres Gerät im Dannenröder Forst im Einsatz (Aufnahme vom 7. Dezember)

Schweres Gerät im Dannenröder Forst im Einsatz (Aufnahme vom 7. Dezember)

 

Foto: Nadine Weigel / dpa

Polizisten haben im Dannenröder Forst das letzte verbliebene Camp von Gegnern des Ausbaus der Autobahn 49 geräumt. Die Räumungsarbeiten seien jetzt abgeschlossen, teilte die Polizei auf Twitter mit. Zuvor hatten sich erneut Umweltaktivisten in Baumhäuser und andere hohe Gebilde zurückgezogen. »Die letzte Person ist durch unsere Einsatzkräfte sicher aus der Höhe zurück auf den Boden gebracht worden«, hieß es.

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Jetzt müssten noch die Bauten entfernt werden, sagte ein Polizeisprecher. Damit stehen auch die Rodungsarbeiten für den Weiterbau der A49 vor ihrem Abschluss. Die Aktivisten kündigten an, auch nach Ende der Räumung und der Baumfällungen ihren Protest gegen den Autobahnausbau fortzusetzen.

Der Großeinsatz der Polizei und die Rodungen für die neue Autobahntrasse begannen am 10. November. Bereits zuvor waren im Herrenwald bei Stadtallendorf sowie im Maulbacher Wald bei Homberg Bäume gefällt worden.

In den vergangenen Wochen seien mehrere Hundert Menschen aus zum Teil »luftiger Höhe« sicher auf den Boden gebracht worden, sagte ein Polizeisprecher nun. Am Mittwoch wollen die Beamten in einer Pressekonferenz ein Fazit zum Einsatz ziehen. Dabei soll auch ein Ausblick auf die kommenden Wochen gegeben werden.

Ermittlungen gegen Aktivisten und Polizisten

Bei dem Einsatz fielen im November zwei Aktivistinnen aus mehreren Metern in die Tiefe. Im ersten Fall stürzte eine Demonstrantin von einem sogenannten Tripod – einem dreibeinigen Gestell – und verletzte sich schwer. Die Staatsanwaltschaft Gießen leitete daraufhin Ermittlungen gegen einen Polizeibeamten ein. Er soll ein Seil durchtrennt haben, das die Frau absicherte. Die Funktion des Seils soll dem Polizisten nicht bewusst gewesen sein. Einsatzkräfte hätten nach Angaben der Polizei den Absturz aus der Distanz beobachtet und Rettungskräfte geschickt.

Rund eine Woche später stürzte eine weitere Aktivistin von einer Plattform. Polizeiangaben zufolge hielt sich die Frau vermutlich auf einer Holzpalette auf, die mit Seilen zwischen mehreren Bäumen in etwa vier bis sechs Meter Höhe befestigt war. Die Palette sei aus ungeklärter Ursache in Schieflage geraten und die Frau zu Boden gestürzt. Sie wurde schwer verletzt in eine Klinik gebracht.

Darüber hinaus ermittelt die Polizei gegen einen Aktivisten wegen des Vorwurfs des versuchten Totschlags. Er soll vor rund zwei Wochen das Halteseil eines Gestells durchtrennt haben, wodurch dieses umgestürzt sein soll. Unterhalb des Gebildes hätten sich zu diesem Zeitpunkt mehrere Polizisten befunden. Diese konnten sich in Sicherheit bringen und blieben unverletzt.

Umwelt- und Klimaschützer hatten den Dannenröder Wald, der das Zentrum der Proteste ist, vor mehr als einem Jahr besetzt, um die Abholzungen zu verhindern und für eine klimafreundliche Verkehrswende zu demonstrieren. Befürworter erhoffen sich durch den Lückenschluss der A49 weniger Verkehrsbelastung in den Dörfern der Region sowie eine schnellere Anbindung. Die Autobahn soll einmal Kassel und Gießen direkt verbinden.

bbr/dpa/AFP