Angriff in Dayton Todesschütze hatte 250 Schuss Munition dabei

Nach der Schusswaffenattacke auf Passanten in einem Ausgehviertel von Dayton werden Details zu dem Angreifer bekannt. Er soll Reservemagazine mit etwa 250 Schuss dabeigehabt haben.

Trauerbekundungen vor der Ned Peppers-Bar in Dayton, Ohio
REUTERS

Trauerbekundungen vor der Ned Peppers-Bar in Dayton, Ohio


Um 1.05 Uhr in der Nacht zum Sonntag eröffnete Connor B. das Feuer auf Menschen, die ins Ausgehviertel von Dayton in Ohio gekommen waren, um sich zu amüsieren. Der 24-Jährige tötete mindestens neun Passanten, darunter ersten Ermittlungen zufolge auch seine eigene Schwester.

30 Sekunden später wurde er von Polizisten erschossen.

Sechs der neun Opfer des Todesschützen waren schwarz - doch dem örtlichen Polizeichef Richard Biehl zufolge ist es zu früh, rassistische Motive zu vermuten. Die Ermittlungen dauerten an, sagte Biehl auf einer Pressekonferenz.

Für seinen Angriff hatte sich B. offenbar gut gerüstet: Er trug eine schusssichere Weste und hatte Reservemagazine dabei - insgesamt soll er 250 Schuss zur Verfügung gehabt haben. Ohne das Einschreiten der Sicherheitskräfte innerhalb von Sekunden hätte ein noch größeres Blutbad gedroht, sagte Biehl. Am Tatort seien 41 Patronenhülsen gefunden worden.

Ob Connor B. seine 22-jährige Schwester Megan gezielt oder aus Versehen tötete, ist der Polizei zufolge noch unklar. Biehl zufolge fuhren die Geschwister gemeinsam zum Tatort, mit einer dritten Person, die zu den insgesamt 27 Verletzten gehört. 14 von ihnen mussten in Krankenhäusern behandelt werden.

Laut Medienberichten besuchte B. das Sinclair Community College in Dayton. Die Polizei durchsuchte nach dem Vorfall die Wohnung des 24-Jährigen.

Schuhe am abgesperrten Tatort in Dayton
TOM RUSSO/EPA-EFE/REX

Schuhe am abgesperrten Tatort in Dayton

Die Tatwaffe soll der Tatverdächtige über das Internet in Texas bestellt haben. Biehl erklärte, der Schütze habe seine Waffe so modifizieren lassen, dass sie als Sturmgewehr funktionierte. "Waffen dieser Art ohne Regulierung in einem zivilen Umfeld zu haben, ist problematisch", sagte Biehl.

Bisher gilt es als unwahrscheinlich, dass B. ein Nachahmungstäter war und sich von der tödlichen Schießerei am Samstag in El Paso zur Tat animieren ließ. In El Paso starben 22 Menschen durch die Hand eines offensichtlich rassistisch motivierten Mannes, der ein detailliertes "Manifest" im Internet veröffentlicht hatte, in dem er eine "Invasion" von Migranten beklagt.

US-Präsident Donald Trump bezeichnete die Schusswaffenangriffe im texanischen El Paso und in Dayton im Bundesstaat Ohio als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Die "barbarischen Morde" seien "ein Angriff auf eine Nation und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit", sagte der Präsident in seiner Rede an die Nation. Die Verantwortlichen solcher Taten müssten "schnell" hingerichtet werden.

Die USA müssten Rassismus, Fanatismus und die Ideologie weißer Vorherrschaft "verurteilen", forderte Trump zudem. "Diese finsteren Ideologien müssen besiegt werden. Hass hat keinen Platz in Amerika", sagte Trump. Die "Glorifizierung von Gewalt" müsse ein Ende haben.

Dann forderte er schärfere Waffenkontrollen. US-Bürger, "die ein ernsthaftes Risiko für die öffentliche Sicherheit darstellen", dürften keinen Zugang zu Schusswaffen haben, sagte er. Sollten sie welche besitzen, müsse es möglich sein, ihnen diese in einem "schnellen, rechtmäßigen Verfahren" abzunehmen.

ala/dpa/AFP



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