Debatte in Großbritannien Mitgefühl für einen Mörder

Raoul Moat schoss drei wehrlose Menschen nieder und tötete einen von ihnen - dennoch wird er auf Facebook als "Legende" gefeiert. Der britische Regierungschef David Cameron hat dieses Vorgehen nun scharf kritisiert. Doch die Online-Plattform weigert sich, die Gruppe zu schließen.

REUTERS

Hamburg - Raoul Thomas Moat, 37, Bodybuilder, Ex-Sträfling und Ex-Türsteher, war tagelang der meistgesuchte Mann Großbritanniens. Er hatte drei wehrlose Menschen niedergeschossen, einer von ihnen starb, einer erblindete, und anschließend gedroht, jeden Polizisten zu töten, der sich ihm in den Weg stellen würde. Am Ende richtete er sich selbst.

Nun ist ein heftiger Streit darüber entbrannt, wie und ob man sich des Gewalttäters erinnern sollte. Bei Facebook entstand eine Diskussionsgruppe, in der dem Mörder Moat als "Legende" gehuldigt wird. Mehr als 30.000 Menschen haben sich inzwischen diesem Forum angeschlossen. Den britischen Premier, David Cameron, hat das ziemlich aufgebracht.

"Es ist absolut klar, dass Raoul Moat ein gefühlloser Mörder war. Ende der Geschichte. Ich kann keine Welle des Mitgefühls, sei sie auch noch so klein, für diesen Mann verstehen", sagte Cameron. Sein Sprecher erklärte später, man werde Facebook über die Ansichten des Premierministers in Kenntnis setzen.

Doch das Unternehmen gibt sich davon unbeeindruckt - und weist jegliche Verantwortung für die auf seiner Seite veröffentlichten Inhalte zurück. "Facebook ist ein Ort, an dem Menschen ihre Meinungen ausdrücken und offen diskutieren können." Und selbst wenn man die Themen, über die sich ausgetauscht würde, "manchmal geschmacklos" finde, sei das kein Grund die Diskussion abzubrechen. Das geschehe nur, wenn die Geschäftsbedingungen verletzt würden.

Es dafür reicht die Verehrung eines Mörders ganz offenbar nicht aus.

jdl/Reuters



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