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19. Dezember 2013, 07:33 Uhr

Ehemalige Todeskandidatin

Debra Milke kann auf endgültige Freilassung hoffen

Für die ehemalige Todeskandidatin Debra Milke steigen die Chancen auf eine endgültige Freilassung. Die Anklage in den USA steht nach einem Richterspruch ohne ihren Hauptbelastungszeugen im Mordverfahren gegen die gebürtige Berlinerin da.

Phoenix - Für die in den USA des Mordes beschuldigte Debra Milke scheint eine endgültige Freilassung immer näher zu rücken. Ein Gericht in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona entschied, dass der Hauptbelastungszeuge bei der geplanten Neuauflage des Prozesses gegen die gebürtige Berlinerin nicht mehr aussagen muss.

Der Ex-Polizist Armando Saldate hatte zuvor beantragt, das Zeugnisverweigerungsrecht geltend machen zu dürfen. Ohne seine Aussage könnte das Verfahren platzen. Milkes Anwältin Lori Voepel sagte, dass die Verteidigung nun eine Einstellung des Verfahrens beantragen wolle.

Milke, Tochter einer Deutschen und eines Amerikaners, war 1990 in Arizona zum Tode verurteilt worden, weil sie zwei Männer zum Mord an ihrem vierjährigen Sohn angestiftet haben soll. Sie beteuerte ihre Unschuld. Die beiden verurteilten Mörder des Jungen sitzen in der Todeszelle und verweigern jegliche Aussage.

Verfahren würde frühestens 2015 beginnen

Das Urteil stützte sich vor allem auf die Aussage des leitenden Ermittlers Armando Saldate, dem Milke ihre Beteiligung an dem Verbrechen angeblich gestanden hatte. Ein unterschriebenes Geständnis gibt es aber ebenso wenig wie Tonaufnahmen oder Zeugen. Die damaligen Geschworenen erfuhren auch nicht, dass Saldate bereits wegen Falschaussage unter Eid aufgefallen war.

Ein Bundesberufungsgericht kippte im März schließlich das umstrittene Todesurteil. Milke wurde Anfang September nach rund 24 Jahren Haft - davon 22 Jahre in der Todeszelle - vorläufig entlassen. Zurzeit ist sie auf Kaution und mit einigen Einschränkungen in Freiheit.

Die Staatsanwaltschaft zeigt sich jedoch weiterhin überzeugt von der Schuld der jetzt 49-Jährigen, hat zum zweiten Mal Anklage erhoben und angekündigt, wieder die Todesstrafe zu fordern. Allerdings will Saldate dieses Mal nicht in den Zeugenstand treten, weil er befürchtet, sich mit seiner Aussage selbst zu belasten.

Richterin Rosa Mroz erlaubte Saldate nun jedoch, sich auf sein Zeugnisverweigerungsrecht zu berufen. Die Anklage könnte jetzt gezwungen sein, das Verfahren einzustellen - denn das vermeintliche Geständnis aus dem Jahr 1990 will das Gericht in einem möglichen neuen Prozess offenbar nicht als Beweis zulassen. "Ohne das Geständnis hat die Staatsanwaltschaft einen schwachen Fall", schrieb die Zeitung "Arizona Republic".

Kommt es dennoch zu einem Verfahren, würde es frühestens 2015 beginnen. Milkes Anwältin Voepel rechnet damit, dass die Anklage Widerspruch gegen die Entscheidung von Richterin Mroz einlegt.

wit/dpa/AFP

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